WM-Zuschlag würde Marokko die Chance geben, den ganzen Kontinent zu repräsentieren
Widersprüche im Wahlkampf

Die Fifa entscheidet über den Ausrichter der Fußball-WM 2010 - Marokko und Südafrika haben gegensätzliche Motive. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet.

CASABLANCA. Südafrika hat beim Afrika-Cup im Fußball 1996 das Organisieren geprobt, bei den Weltmeisterschaften im Rugby (1995) und 2003 auch im Cricket. Es existieren prächtige Sportarenen, die nur noch auf den neuesten Stand gebracht werden müssten - falls der Fußball-Weltverband Fifa den Favoriten Südafrika am Samstag in Zürich als Ausrichter der Weltmeisterschaft 2010 wählt. Marokko und Ägypten sind ernsthafte Konkurrenten, Tunesien und Libyen chancenlos.

Für bauliche Nachbesserungen in allen elf WM-Städten kalkuliert der südafrikanische Fußballverband lediglich 405 Millionen Dollar. Nie zuvor in der modernen Geschichte dieser Turniere müsste man weniger in Stadien investieren. Noch wichtiger erscheint der gesellschaftliche Aspekt. Das Selbstwertgefühl dieser jungen Demokratie würde aufgewertet; ein Punkt, den auch der Bericht der Fifa-Inspektoren schon in seinem ersten wertenden Satz herausstreicht: "die Einheit unter den ethnischen Gruppen, die während Jahren sowohl sozial und kulturell als auch sportlich getrennt waren, würde durch eine WM wesentlich gestärkt."

Wer die Bewerbung Marokkos erlebt hat, entdeckt einige andere Motive. Von einem Wahlsieg könnte möglicherweise der ganze Erdteil profitieren. Der finanzielle Überschuss des Turniers soll in den ärmeren Nachbarländern zur Förderung des Fußballs verteilt werden. Und zum Beweis, dass dies keine leeren Versprechungen sind, wurde an der Züricher Fifa-Hausbank eine Bürgschaft über 140 Millionen Euro eingezahlt. Saad Kettani, der Chef des Bewerberkomitees, der mit einer Extra-Kategorie billiger Tickets (15 Euro) die finanzielle Situation auf seinem Kontinent berücksichtigt, plädiert für eine afrikanische Idee. Die Ansprüche des Konkurrenten Südafrikas wertet er als selbstbezogen und eigensüchtig.

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