Wo Alan Greenspan sein Geld investiert
Börsen-ABC: Anleihe ist nicht gleich Anleihe

Der mächtigste Notenbankchef der Welt besitzt keine einzige Aktie. Vielmehr hat Alan Greenspan sein Geld derzeit ausschließlich in Anleihen mit kurzer Laufzeit investiert.

ddp BERLIN. Der mächtigste Notenbankchef der Welt besitzt keine einzige Aktie. Vielmehr hat Alan Greenspan sein Geld derzeit ausschließlich in Anleihen mit kurzer Laufzeit investiert. Doch was genau sind Anleihen, Rentenpapiere beziehungsweise festverzinsliche Wertpapiere? Die Definition ist auf dem ersten Blick sehr einfach. Anleihen werden von Staaten, Banken oder Unternehmen ausgegeben, wenn diese Kapital für anstehende Investitionen brauchen. Damit die Papiere von einem breiten Publikum gekauft werden, werden die riesigen Summen gestückelt. Sehr gängig sind Anleihen zu 100 oder 1 000 ?. Die Kreditnehmer beziehungsweise Emittenten verpflichten sich gegenüber dem Käufer, die auf der Anleihe vermerkte Summe an einem bestimmten Tag in der Zukunft zurückzuzahlen und dem Besitzer regelmäßig Zinsen zu überweisen.

Der Zinssatz und die Laufzeit einer Anleihe werden wie bei Sparbriefen nur einmal bestimmt, und zwar dann, wenn das Papier ausgestellt wird. Im Unterschied zu Sparbriefen werden die Zinsen bei Anleihen aber meist nicht wieder angelegt, sondern einmal jährlich an den Besitzer ausgezahlt. Außerdem werden Anleihen an der Börse gehandelt. Man kann also sein Geld vor dem Ende der Laufzeit zurück bekommen, allerdings nicht vom Schuldner, sondern von einem Anleger. Und genau hier liegt ein Risiko - das Kursrisiko. Dieses hängt hauptsächlich von Veränderungen beim allgemeinen Zinsniveau ab. Grundsätzlich gilt folgende Regel: Steigt das Zinsniveau, sinken die Kurse für Anleihen, und sinkt das Zinsniveau, so steigen die Kurse. Wer in Rentenpapiere investieren möchte und mit künftig steigenden Zinsen rechnet, der sollte sein Geld überwiegend in Anleihen mit kurzen Restlaufzeiten stecken. Diese Papiere reagieren längst nicht so stark auf Zinsveränderungen wie Renten mit langen Laufzeiten.

So weit so gut. Allerdings gibt es viele unterschiedliche Variationen von Anleihen, und die Banken werden nicht müde, immer wieder neue Produkte auf den Markt zu werfen. Unerfahrene Anleger sollten sich zunächst auf einfache Konstruktionen konzentrieren. Schon allein hier sind eine Reihe von unterschiedlichen Kriterien zu beachten. So zum Beispiel die verschiedenen Schuldner. Die Anleihen von Staaten nennt man Staatsanleihen, die von Unternehmen heißen Industrie- oder Unternehmensanleihen, und die der Banken werden in der Regel Schuldverschreibungen genannt.

Kreditwürdigkeit bestimmt die Rendite der Anlage

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Bonität. Der Grad der Kreditwürdigkeit eines Schuldners wird von Ratingagenturen wie Moody's oder Standard & Poor's geprüft. Ruf, Zuverlässigkeit, Fähigkeit zur Kreditbedienung, Liquiditätslage und Vermögenswerte des Schuldners werden bewertet und durch eine Ratingnote ausgedrückt. Anleihen mit erstklassiger Bonität haben das Rating AAA. Sehr schlecht bewertete Anleihen erkennt man an den Buchstaben C und D.

Ebenfalls wichtig bei Anleihen ist die Laufzeit. Sie wird ausschließlich vom Emittenten festgelegt. Es gibt kurzfristige Anleihen mit einer Laufzeit von unter zwei Jahren, mittelfristige Anleihen mit einer Laufzeit zwischen zwei und zehn Jahren und langfristige Anleihen, die länger als zehn Jahre gültig sind.

Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der Zinszahlungsmodalität. Die gängigsten Anleihen haben eine so genannte laufende Verzinsung. Dabei steht sowohl die Höhe als auch der Termin der Zinszahlung fest. Andere Anleihen haben keine feste Verzinsung. Ihr Zins wird in regelmäßigen Abständen an das Kapitalmarktniveau angepasst. Diese zinsvariablen Anleihen nennt man im Fachjargon "Floater". Ein "Floater" zahlt mehr Zinsen, wenn die Geldmarktzinsen steigen, beziehungsweise weniger, wenn diese fallen. Ein "Reverse Floater" verhält sich genau umgekehrt. Eine weitere große Gruppe sind die "Zerobonds" oder "Nullkuponanleihen". Bei diesen Anleihen erhält der Besitzer während der Laufzeit keine Zinsen. Der Ausgabekurs von "Zerobonds" liegt jedoch weit unter dem Nennwert, zu dem sie später zurückgezahlt werden. Die Kursdifferenz macht also die Rendite aus. Solche Anleihen werden steuerlich anders behandelt als "normale" Anleihen.

Einige Anleihen können auch mit Zusatzrechten ausgestattet sein. Die zwei häufigsten Anleihe-Arten sind dabei die Wandelanleihen und die Optionsanleihen. Bei Wandelanleihen kann der Besitzer unter bestimmten Umständen seine Anleihe in Aktien umwandeln. Bei Optionsanleihen bekommt er ein Recht darauf, dass er zusätzlich zur Anleihe Aktien des Schuldners über einen Optionsschein erwerben kann. Diese Produkte sind jedoch nur erfahrenen Anlegern zu empfehlen.

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