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Wo bleiben die guten Nachrichten?

Warum fallen die wichtigen Börsenindizes eigentlich immer tiefer und tiefer? Oder genauer: was macht denn vor allem den Technologiewerten das Leben so schwer? Die Antwort: Zum einen ist es im Moment einfach so, dass kaum positive Meldungen aufs Parkett gelangen. Während noch vor einigen Monaten ein Umsatzrekord nach dem anderen geschlagen wurde, wird nun der umgekehrte Weg beschritten. Von Umsatzwachstum ist oftmals schon gar keine Rede mehr. Über Umsatzrückgänge unterhalten sich die Anleger nun. Die Chipindustrie beispielsweise wird in diesem Jahr einen niedrigeren Umsatz machen als im vergangenen. Sagt zumindest das Investmenthaus Merrill Lynch.



Oder das Beispiel Oracle. Die Programme, die das Softwareunternehmen produziert, sollten eigentlich dazu verhelfen, dass Firmen Kosten einsparen. Schlussfolgerung also: Oracle wird die derzeitig wirtschaftlich angeschlagene Zeit gut überstehen, weil es sich die Firmen nicht leisten können, auf Betriebssoftware und Datenbanken zu verzichten. Falsch gedacht. Oracle hat von einem deutlich schwächeren Geschäft in den USA gesprochen. Das schlechte wirtschaftliche Umfeld macht sich somit nun auch bei Oracle bemerkbar. Davon wurden nicht nur die Anleger überrascht, sondern auch das Unternehmen selbst. Der Vorstand sprach jedenfalls noch vor kurzem von einem stabilen Geschäftsverlauf. Jetzt aber seien viele Aufträge storniert worden.



In Folge dieser Gewinnwarnung ging es nicht nur für Oracle um über 20 Prozent nach unten, auch andere Softwareaktie wie Microsoft verloren deutlich. Auf der anderen Seite sind einige Technologiepapiere zeitweise stark gestiegen. Hier sind unter anderem wieder einige Großinvestoren eingestiegen, die an die langfristig guten Aussichten der Hightechs glauben und günstige Einstiegskurse suchten. Soviel zu den schlechten Nachrichten und zum Fehlen erfreulicher Unternehmensmeldungen.



Es gibt aber noch ein Problem für einen gesunden Anstieg der Börsenbarometer. Eine zwar nicht repräsentative, aber dennoch aussagefähige Umfrage unter Parketthändlern hat ergeben, dass die Transparenz fehlt. Die Klarheit darüber, wie es mit den Unternehmen weiter geht. Ob sich die Wirtschaft bald wieder erholen wird oder nicht. Wenn nur mal endlich jemand Licht in der dunklen Ferne anmachen würde, das wäre schon mal viel wert.



Wayne Angell hat sich in diesen Tagen einen Namen gemacht. Nicht unbedingt einen guten. Der Chefökonom des Investmenthauses Bear Stearns lief über die Fernsehsender, und wiederholte seine Prognosen immer und immer wieder. Er ging von einer 80prozentigen Wahrscheinlichkeit aus, dass die Notenbank in diesen Tagen die Leitzinsen senken wird. Es blieb aber alles beim alten. Einige Marktbeobachter vermuten nun, dass der Chef der Notenbank, Alan Greenspan, sich bewusst nicht diesem Druck beugte. Die Spannbreite war groß. Teilweise spekulierte man über eine Leitzinssenkung in Höhe von einem dreiviertel Prozent. Nach seiner Rede vom Mittwoch gingen dann einige Börsianer davon aus, dass die Notenbank auch bei der nächsten regulären Sitzung Mitte März untätig bleiben wird - es also gar keine Abstufung geben wird.



Es war der schlechteste Jahresstart der Nasdaq seit fast 20 Jahren. Aber: Jetzt gibt es wieder Einstiegschancen in den Markt wie vor rund zwei Jahren. Das ist doch auch mal eine gute Nachricht. Zumindest für all diejenigen, die bisher mit Aktien nichts am Hut hatten und nun vielleicht loslegen wollen.

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