Wo der Erfolg ist, da sind auch die Nachahmer nicht weit
Quotenhits - und wie man sie schützt

Deutschland hat ein neues Superformat. Die Talentshow "DSDS" (Deutschland sucht den Superstar) auf RTL lockt samstäglich weit über 10 Millionen Zuschauer vor den Fernseher, der Marktanteil liegt mitunter um die 50 %. Doch wo der Erfolg ist, lauern schon die Nachahmer. Und es ist gar nicht so einfach, das Format einer Sendung zu schützen.

MÜNCHEN. Der Superstar ist kein Einzelfall. "WWM" (Wer wird Millionär?) oder "Herzblatt" sind andere Beispiele für deutsche Versionen der im Ausland erfolgreichen Fernsehformate Quizshows und Kontaktsendungen. Vor nicht allzu langer Zeit waren noch Realityshows wie "Big Brother" angesagt. Das Konzept dieser Sendungen ist jeweils in den so genannten "Formatbibeln" festgelegt, die aus der ursprünglichen Idee entwickelt werden und den Ablauf zusammen mit detaillierten Produktionsvorgaben und Know-how zusammenfassen.

Die sind natürlich begehrter Lesestoff bei der Konkurrenz einen Kanal weiter - aber einfaches Abkupfern ist nicht erlaubt. Zwar genießen Ideen per se keinen rechtlichen Schutz. Dennoch sind Wettbewerbern sind bei der Nachahmung von Formaten rechtliche Grenzen gesetzt. Wo genau diese verlaufen, ist allerdings noch nicht eindeutig geklärt. Schon der Begriff Format ist gesetzlich nicht definiert.

Juristen verstehen darunter die Gesamtheit der charakteristischen Merkmale einer Fernsehserie (zum Beispiel Spielregeln, Musik, Bühnenbild, aber auch Handlungselemente), die in allen Folgen der betreffenden Fernsehserie wiederkehren. Auch inhaltliche Elemente sind bei hinreichender schöpferischer Individualität von rechtlicher Relevanz. Prägende Elemente sind bei "Deutschland such den Superstar" zum Beispiel die Auftrittsrunden der Kandidaten unter jeweils anderem Motto ("Disco/70er Jahre", "Musical" u.a.) und die Kombination der Begutachtung durch Jury-Mitglieder mit dem Tele-Voting durch die Fernsehzuschauer. Aus rechtlicher Sicht gibt es zwei Ansätze, den Schutz von Fernsehformaten zu begründen. Zum einen das Wettbewerbsrecht: Wer sich darauf berufen will, hat es schwer, denn er muss regelmäßig besondere, die Unlauterkeit begründende Umstände nachweisen, etwa eine vermeidbare Herkunftstäuschung, Rufausbeutung oder die Verwertung gesetzes- oder vertragswidrig erlangten Materials.

Fernsehformat ist grundsätzlich als urheberrechtliches Werk schutzfähig

Die zweite Möglichkeit ist das Urheberrecht: Zwar fehlt bislang höchstrichterliche Rechtsprechung, aber verschiedene deutsche Gerichte haben anerkannt, dass ein Fernsehformat grundsätzlich als urheberrechtliches Werk schutzfähig ist. Voraussetzung: Das Format weist eine Struktur auf, die aus der Summe der wiederkehrenden Gestaltungselemente aller Sendungen besteht. In den entschiedenen Fällen konnte die Frage der Schutzfähigkeit des konkreten Formats jedoch stets offen gelassen werden, da die von dem jeweiligen Gericht für prägend gehaltenen Elemente gerade nicht übernommen wurden und damit keine Verletzung vorlag. Die damit gegebene so genannte freie Bearbeitung von Vorlagen ist im Gegensatz zur unfreien Benutzung urheberrechtlich gestattet.

Dies folgt zwingend aus der Ideenfreiheit, die die Vielfalt schöpferischen Schaffens gewährleistet. Im Einzelfall kommt es also darauf an, wie viele nicht gemeinfreie prägende Elemente des Formats übernommen wurden. Wenn der Gestaltungsrahmen, den das jeweilige Genre vorgibt, besonders eng ist, werden dabei auch vom Fernsehzuschauer als ähnlich empfundene Shows in der Regel keine Urheberrechte verletzen. Ein Beispiel dafür sind die Gerichtsshows, deren Format naturgemäß stark durch den Ablauf einer Gerichtsverhandlung geprägt ist. Der Schutz vor Plagiaten fällt also nicht leicht.

Tröstlich für die Ideengeber ist aber, dass den Nachahmern häufig das spezifische Produktions-Know-how fehlt und am Ende oft nur ein Abklatsch über die Bildschirme flimmert - was die Zuschauer auch schnell merken. Am Besten sind häufig eben doch die Originale. Die Autorinnen sind Rechtsanwältinnen und Partnerinnen im Münchner Büro von Linklaters Oppenhoff & Rädler.

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