Wo die alte Substanz fehlt, wird einfach neu nachgebaut
Der Traum vom Leben im luftigen Loft

Wenn bei den Käufern die Kasse stimmt und die Anbieter den Zeitgeist treffen, dann werden Immobilien zur Ware mit Lifestyle-Charakter. Ewig jung bleibt der Traum von der alten Fabrik: Loft-Living ist in.

HB HAMBURG. Was in New York, London und Paris in heruntergekommenen Fabriken einst als Mode begann, findet in Deutschland immer mehr Anhänger: Loft-Living ist heute schick, urban und leider meist sehr teuer. Echte Fans stört das kaum. "Unsere Klienten wollen Lofts, egal ob zur Miete oder als Kaufobjekt zur Selbstnutzung", weiß der Kölner Makler Jörg Fries. Mieten zwischen 13 bis 14 Euro/qm seien leicht realisierbar.

Wohn- und Lebensqualität finden die Loft-Begeisterten vor allem hinter der Fassade historischer Fabrikgebäude. Hohe Decken (mindestens 3,50 Meter) und der Reiz großer, lichtdurchfluteter Nutzflächen ohne festgelegte Grundrisse machen den Charme dieser Quartiere aus. Das Berliner Architektenehepaar Sandra und Christoph Schwebel hat seine Drei-Zimmer-Altbauwohnung im Berliner Stadtteil Wilmersdorf mit hohen, stuckverzierten Decken und Holzboden zunächst zerlegt. Bis auf die tragende Wand mussten alle Mauern fallen. "Den engen Flur" - typisch für die Gründerzeit - "haben wir immer als toten Raum empfunden", sagen die Schwebels. Das Resultat kann sich sehen lassen: offene Strukturen, ein Drittel mehr nutzbare Fläche und eine vom Putz befreite Wand in Backsteinstruktur.

"Lofts sind einfach ein Stück individueller als die meisten Wohnformen", sagt Christoph Kleiner, Geschäftsführer der Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung mbH. Während der Markt für gewerbliche Lofts in den vergangenen Monaten stark eingebrochen sei, verzeichnet Kleiner im Privatkundenbereich eine stetige Schar begeisterter Anhänger. Unter 3000 Euro/qm ist kaum etwas zu erwerben, die Spitzenpreise für gute Lagen und Ausstattung liegen bei über 6000 Euro/qm. Womit die Zielgruppe umschrieben ist: ab der oberen Mittelschicht aufwärts, häufig sind kreative Berufe in der Käufer- und Mietergruppe auszumachen. Aber auch Rechtsanwälte, Steuerberater, Investmentbanker und sogar Vorstände im Alter von 30 bis 50 Jahren reihen sich ein. Wer lieber mietet, zahlt laut Kleiner 11 bis 13 Euro pro Quadratmeter in Hamburg.

Axel Manthey, Geschäftsführer der Elbtal-Immobilien aus Radebeul, sieht aus drei Gründen den Loftbau als gute Investition an:

  • Lofts liegen meist sehr urban - innerstädtische Lagen seien im Kommen;
  • Steuervorteile für Gutverdienende;
  • nicht zuletzt werde der momentane Zeitgeschmack genau getroffen.



Manthey sagt: "Unsanierte Objekte kosten ab 400/450 Euro pro Quadratmeter, bei aufwendig durchsanierten Lofts mit entsprechend moderner Technik und Wärmedämmung können die Preise schnell bei 2500 bis 3000 Euro liegen. Da es in ganz Berlin nur drei ausgewiesene Sanierungsgebiete gibt, ist das Angebot an Wohnlofts hier auch begrenzt. Der Nachfrageüberhang bestimmt den Preis in einem ansonsten durch Überangebot geprägten Wohnimmobilien-Markt." Der Wohnimmobilienexperte bietet im Sanierungsgebiet Kadiner Straße im Ostteil Berlins Loftwohnungen in einer ehemaligen Wollgarnspinnerei aus dem Jahre 1905 an. Kostenpunkt laut Manthey: durchsaniert inklusive Aufzüge, Balkone oder Terrassen ab etwa 1300 Euro/qm.

Aus Mangel an authentischen Wohnlofts werden kurzerhand Bestände um Neubaulofts erweitert. Ob wie im "Mekka der Lofts", in Hamburg, im szenigen Schanzenviertel, im feinen Stadtteil Hoheluft, im Viertel der Funk- und Fernsehprominenz Eppendorf oder im eher anrüchigen St. Georg - vielerorts entstehen neue Loftwohnhäuser. Das Prinzip: eine Symbiose aus alter Bausubstanz und moderner Architektur mit nicht immer ausgefallenen Grundrissen. "Nicht überall, wo Loft draufsteht, ist der Grundriss loftgemäß", sagt Kleiner und verweist auf die starke Neigung deutscher Käufer zu abgeschlossenen vier Wänden.

Mit emotionalem Marketing lassen sich so auch Immobilienwünsche wecken, die eigentlich gar nicht vorhanden waren. Peter Wippermann, Leiter des unabhängigen Hamburger Forschungsinstituts Trendbüro und Professor für Kommunikationsdesign an der Universität Essen, meint: "Die Immobilie wird dem Lifestylecharakter von Waren unterworfen. Sie ist damit aber nicht mehr Ort der Beständigkeit, also nicht mehr endlos wertvoll. Was Bestand hat, ist der Wandel."

"Büro- und Wohnlofts sind mittlerweile Mangelware, es fehlt schlicht an geeigneten Fabrikgebäuden", sagt Peter Braschoß, Geschäftsführer der Firma Wiegand Immobilien GmbH & Co. KG, in Köln. Rege Nachfrage, wenig Angebot und stabile Wohnmieten von zehn bis 13 Euro/qm seien charakteristisch für den Kölner Loftmarkt. Weniger attraktiv - zumindest für Investoren - seien Neubaulofts. Verschwenderische Deckenhöhen bedeuteten schließlich auch weniger Geschossangebot - und damit weniger Gewinn.

Eine Erfahrung, die so nicht für Frankfurt gilt. Dort sind Neubaulofts (aus Mangel an geeigneter Altbausubstanz) laut Hendrik van Hooven weit verbreitet. Er kenne genügend Investmentbanker, die für ein attraktives Loft die "Kaufsumme gleich bar auf den Tisch legen würden", sagt das Vorstandsmitglied der Richter van Hooven Immobilien Konzepte AG. Sein Käufer-Muster: in erster Linie kinderlose Paare und Doppelverdiener. Bestandsimmobilien würden um eine Dachetage aufgestockt und dann unter dem Etikett "Loft" lukrativ verkauft. Die Preise: "Für 320 000 bis 900 000 Euro gibt es 100 bis 170 qm Wohnfläche in zentraler Lage", sagt van Hooven.

Auch Makler Fries hat genügend Privatinvestoren. Der Engpass liege bei der Suche nach geeigneten Projektentwicklern und Bauherren: Die sollten sich in Sanierungs- und Modernisierungsfragen bestens auskennen.

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