"Wo ich bin, ist oben"
Möllemann bleibt in FDP immer für Überraschung gut

Jürgen Möllemann übte sich in für ihn ungewohnter Zurückhaltung. Anders als sonst eilte der umstrittene FDP-Politiker am Dienstag vor der entscheidenden Abstimmung über seinen Verbleib in der FDP-Landtagsfraktion im Düsseldorfer Landtag mit hochrotem Kopf an Dutzenden von Kameras und Mikrofonen vorbei. Viel mehr als die Aussage, er sei ein wenig angespannt, ließ er sich nicht entlocken.

Reuters DÜSSELDORF. Doch mit der Ruhe um den schnauzbärtigen Fallschirmspringer, der einem Ausschluss aus der FDP-Fraktion nur knapp entging, könnte es bald vorbei sein. Zwar unterstrich Möllemann nach der Abstimmung betont demütig, er sei nun einfacher Abgeordneter und strebe keine Spitzenämter mehr in der Partei an. Doch Fraktionschef Ingo Wolf musste sich bereits erste Fragen gefallen lassen, ob er noch an seinem Amt festhalten werde. In der Bundes-FDP beißt man derweil die Zähne zusammen und setzt nun alles daran, Möllemann im Parteiausschlussverfahren endgültig zu entmachten.

"Möllemann ist immer für eine Überraschung gut", heißt es in Kreisen der Landtagsfraktion mit Blick auf den ehemaligen Bundesminister, stellvertretenden Parteivorsitzenden, Landes- sowie Fraktionschef. Nach der Abstimmung blieb jedoch unklar, ob solche Aussagen als Kompliment oder Drohung zu verstehen sind. "Wo ich bin, ist oben", hatte Möllemann nach seinem Anhörungstermin in der Fraktion im Januar gesagt. Freilich stamme das Zitat nicht von ihm, sondern von dem Boxer Rene Weller. Dessen Hybris teile er nicht, wohl aber seinen Sportsgeist. Und es wird wohl nicht lange dauern, bis Landeschef Andreas Pinkwart und die Berliner FDP-Spitze erneut mit Möllemanns Interpretation von "Sportsgeist" konfrontiert werden.

Pinkwart, der wie die Parteispitze vor der Abstimmung ebenso eindringlich wie vergeblich an Möllemanns 23 Fraktionskollegen appelliert hatte, den ehemaligen Landeschef auszuschließen, berief nach dem Votum eilig eine Sondersitzung des Landesvorstands ein. Das Gremium soll den Anti-Möllemann-Kurs des Wirtschaftsprofessors, der erst im vergangenen Dezember auf einem turbulenten Landesparteitag zum neuen Landeschef gewählt worden war, erneut unterstützen. Sollte die von Pinkwart eingeforderte Solidaradresse nicht eindeutig formuliert werden, könnte er ins Straucheln kommen. Das Votum der Fraktion sei eine "Katastrophe", hieß es im Lager der Möllemann-Gegner. "Schlimmer geht's ja kaum."

Bundes-FDP setzt auf Parteiausschluss

Auch die Parteispitze in Berlin muss nun wohl mit neuen Ratschlägen des Erfinders des "Projekts 18" rechnen. Erst vor gut zwei Wochen hatte Möllemann bereits aus seiner Sicht aufgedeckt, warum die Liberalen die Bundestagswahlen verloren hatten: Teile der Parteiführung hätten vor der Wahl statt auf den politischen Gegner auf einen der ihren - eben ihn selbst - eingeprügelt. Mit neuen Strategie-Tipps hielt Möllemann sich nach der Abstimmung freilich zurück. Er wolle den Streit mit der FDP-Führung nicht weiter anheizen, gab sich der Münsteraner betont kooperativ - doch bitte er die "Kollegen und Kolleginnen in Berlin", die Entscheidung von Düsseldorf zu respektieren.

Der Respekt scheint ihm offenbar versagt bleiben. Die Parteispitze in Berlin gab noch am Dienstag zu erkennen, dass sie nun alles daransetzt, Möllemann aus Bundestagsfraktion und Partei zu entfernen. Ob die für den 11. Februar anberaumte Anhörung vor der Bundestagsfraktion tatsächlich noch notwendig ist, ist offen. In der FDP heißt es, Möllemann werde sich wohl eine absehbare Niederlage in Berlin ersparen und sein Bundestagsmandat in den nächsten Tage freiwillig zurück geben.

Damit bliebe den Liberalen noch das Parteiausschlussverfahren, das Möllemann endgültig aus den Reihen der FDP verbannen könnte. Doch das Prozedere könnte sich über Monate hinziehen und die FDP weiter belasten. Nach dem Erfolg der jüngsten Landtagswahlen, der den Blick nach vorn frei machen sollte, dürfte der schon zum alten Eisen gezählte Möllemann der FDP weiter ein Klotz am Bein bleiben.

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