Wo kann YEO dem BJU Mitglieder streitig machen?
Klüngeln auf amerikanisch

Seit Jahresbeginn versucht die Young Entrepreneurs? Organization (YEO), auch in Europa Fuß zu fassen. Eine Handelsblatt-Umfrage zeigt: Dem Bundesverband Junger Unternehmer (BJU) droht Konkurrenz am ehesten in der New Economy.

DÜSSELDORF. Bill Gates - als der Name des Microsoft-Vordenkers fällt, horchen die knapp 20 Jungunternehmer vor Tatjana Gräfin Dönhoff auf. "Nur wenn Sie so erfolgreich sind wie Bill Gates, können Sie sich erlauben, auch so langweilig zu sein", mahnt die Journalistin ihre Zuhörer. Doch so reich und berühmt wie der ehemalige Garagengründer aus Seattle wollen die erst noch werden.

"Umgang mit der Presse und PR-Arbeit" steht an diesem Freitagnachmittag in dem Konferenzraum der Hamburger Werbeagentur Brand Factory auf der Agenda. Wenige Stunden vorher wurden hier bei Canapées und Kaffee wesentlich heiklere Themen aufgetischt. Im intimen Kreis - dem so genannten Forum - klagte ein Gründer über seinen vertragsbrüchigen Geldgeber, ein anderer über die Bauchschmerzen, die ihm die Entlassung einiger Mitarbeiter beschert. Man kennt sich und man traut sich bei YEO Germany, dem deutschen Ableger der "Young Entrepreneurs? Organization".

Kein Wunder, denn mit 20 Mitgliedern ist YEO hierzulande ein recht überschaubares Grüppchen. Ganz anders in den USA, wo das Netzwerk junger Unternehmer 1987 gegründet wurde. Dort ist YEO mit rund 3 000 Mitgliedern längst eine feste Größe, und auch in Asien ist die Organisation seit mehreren Jahren aktiv. Erst im Herbst 2000 richtete YEO in Amsterdam ein eigenes Büro für Europa ein. Hier steuert die YEO-Angestellte Nancy Koleda die Aktivitäten auf dem alten Kontinent.

"Bis vor kurzem fehlten uns die Ressourcen, um Europa zu unterstützen", begründet Koleda den späten Einstieg. "Außerdem haben wir europäische Unternehmer gesucht, die den YEO-Aufbau in Europa in die Hand nehmen."

Zu ihnen gehört Marcel Yon, Chef der Bochumer Softwarefirma ZN Vision Technologies, der Europa im YEO-Vorstand vertritt und seit Anfang des Jahres Gleichgesinnte um sich geschart hat. "Bis Jahresende", so Patrick Boos, ebenfalls Vorstand bei YEO Germany und Mitgründer des Münchener Rabattsystems Webmiles, "wollen wir in Deutschland 50 Mitglieder haben."

Als nicht Gewinn orientierte Organisation lebt YEO vom Engagement seiner Mitglieder. "Wer 800 Dollar Jahresbeitrag bezahlt, beweist damit, dass er ernsthaft interessiert ist", meint Thorsten Becker, Mitgründer der Hamburger Personalvermittlung Management Angels. Er besuchte am vergangenen Freitag erstmals eines der bisher drei Treffen von YEO Germany und lobt den guten Zusammenhalt.

Der kommt nicht von ungefähr, denn neue Mitglieder werden nur auf Empfehlung akzeptiert. "Wir suchen uns ähnliche Leute und haben eine relativ geringe Rate von Stinkstiefeln", nennt Brand-Factory-Chef Jörg Pohlmann ein Erfolgsgeheimnis von YEO. Die anderen sind: Erfahrungsaustausch und internationale Kontakte.

Die gezielte Kontaktaufnahme gewährleisten 30 Mitarbeiter und die Inventory of Skills, eine Datenbank mit ausführlichen Profilen der weltweit rund 4 200 Mitglieder. Wer da hinein will, muss unter 40 Jahren alt sein und mindestens eine Millionen Dollar Umsatz jährlich erwirtschaften.

Damit fasst YEO hierzulande die gleiche Zielgruppe ins Auge wie der Bundesverband Junger Unternehmer (BJU), der im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bestehen feierte und rund 2 500 Mitglieder in seinen Reihen hat. Die Frage ist: Wo kann YEO dem BJU Mitglieder streitig machen?

Am ehesten in der New Economy. Die mag sowieso fast alles, was aus den USA kommt. Und bisher ist offenbar erst ein kleiner Anteil dieser jungen Unternehmen beim BJU gelandet. Diesen Eindruck legt zumindest eine Umfrage des Handelsblatts nahe, an der sich 31 bekanntere New-Economy-Unternehmen beteiligt haben.

Nur fünf sind Mitglied im BJU. Den anderen ist der Verband weitgehend unbekannt (zehn), oder sie zweifeln das Zeit-Nutzen-Verhältnis (13) an. Dafür gehören 13 Firmen Fachverbänden wie dem Deutschen Multimedia-Verband oder dem Silicon City Club an.

"Wir profitieren mit Zeitverzögerung von der New Economy", gibt BJU-Geschäftsführer Michael Kauch zu. In den späten 90ern habe das Thema Gründung beim BJU nicht so eine große Rolle gespielt. "Irgendwann ist uns bewusst geworden, dass wir da ein Defizit haben."

Doch seit Anfang 2000 bietet der Verband die Gründerwerkstatt für Unternehmer in der Aufbauphase an. Im November folgte das New-Economy-Network, in dem sich BJU-Mitglieder über spezifische Probleme von Unternehmen aus der Neuen Wirtschaft austauschen können. "Mittlerweile haben wir etwa ein Drittel mehr Neuaufnahmen als 1998 und 1999, darunter relativ viel New Economy", sagt Kauch.

Wer einmal den Weg zum BJU gefunden hat, scheint zufrieden: Immerhin verteilen jene sechs Unternehmen aus der Umfrage, die schon einmal an einer BJU-Veranstaltung teilgenommen haben, relativ gute Noten.

Den Eintritt von YEO sieht BJU-Geschäftsführer Kauch deshalb noch gelassen. "Interessant könnte YEO für Unternehmen sein, die Kontakte in die USA suchen. Dafür sind wir in Europa stärker." Der BJU gehört dem europäischen Dachverband Young Entrepreneurs for Europe (YES) an, der 32 000 Jungunternehmer vertritt.

Der deutsche YEO-Chef Marcel Yon sieht ohnehin keine großen Überschneidungen. "Der BJU vertritt vor allem politische Interessen. Bei YEO stehen Erfahrungsaustausch und Internationalität im Vordergrund." Auch in der Handelsblatt-Umfrage bejahen zwei Drittel den Bedarf für eine Organisation wie YEO - sofern sie praktischen Nutzen bietet. Das Platz für beide Organisationen ist, beweist Marcel Yon persönlich: Der YEO-Vorsitzende ist auch Mitglied im BJU.

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