Woche des Missvergnügens für die CDU
Zwei Radler im Regen

Das Wetter ist mies, die Stimmung ist gut. Bei Nieselregen radelt Jürgen Rüttgers, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident, durch die niederrheinische Ebene, begleitet von allerhand Freunden und Getreuen.

BERLIN. Man macht das so in dieser Jahreszeit: Die sommerliche Ruhe wird genutzt, um sich im Lande sehen zu lassen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Am Montag bricht Rüttgers? niedersächsischer Amtskollege Christian Wulff zu einer dreitägigen Sommerreise durch sein Land auf, am Dienstag und Mittwoch fährt Roland Koch im Bus durch Hessen.

Am brettebenen Niederrhein aber wird geradelt, und weil er dort zu Hause ist, hat sich auch CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla zu Rüttgers? Fahrradtour eingefunden. Der Generalsekretär hätte vielleicht einiges zu bereden mit dem Vorsitzenden seines nordrhein-westfälischen Landesverbands. Aber der Fahrradsattel ist nicht der richtige Ort dazu. Also wird wacker in die Pedale getreten und für die Fotografen ein vergnügtes Gesicht gemacht.

Die beiden Radler vom Niederrhein haben jeweils eine intensive Woche hinter sich. Beide stehen zurzeit in der Union unter Beschuss. Rüttgers hat der CDU bekanntlich eine Reihe von "Lebenslügen" nachzuweisen versucht, und über Stil, Timing und Stoßrichtung dieser Attacke knirschen die Unionsgranden in Berlin vor Wut mit den Zähnen. Pofalla wiederum wird vorgeworfen, er sei zu brav, zu lasch und vernachlässige vor lauter Rücksicht auf das Funktionieren der Regierungskoalition das Profil der CDU.

Rüttgers hatte in mehreren Interviews, zuletzt im Handelsblatt, ein paar Thesen aufs Korn genommen, die er für falsch hält: Dass niedrigere Steuern automatisch zu mehr Arbeitsplätzen führen etwa, oder dass die Steuern zu hoch seien, oder die Löhne. Das seien "Lebenslügen", von denen sich die Union verabschieden müsse. Das Donnerwetter, das er damit auslöste, war gewaltig.

Das dürfte ihn selbst einigermaßen überrascht haben. Mit der "Lebenslügen"-These zieht Rüttgers nämlich schon seit vielen Monaten durchs Land. Seit Herbst 2005, um genau zu sein. Nach der verlorenen Bundestagswahl hatte Rüttgers ein Papier unter dem Titel "Neue Wirtschaftspolitik" verfasst, eine Art wirtschaftspolitisches Fazit aus der Wahlniederlage der CDU. Alles, was jetzt für so viel Aufsehen sorgt, steht dort bereits geschrieben und wurde seither in ungezählten Reden und Interviews unter die Leute gebracht.

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