Wochenrückblick auf die Wall Street
Keiner kauft: US-Börsen immer unattraktiver

Die Wall Street ist ratlos. In der letzten Woche fanden Investoren keine Kaufargumente. Der S&P-500-Index fiel sogar unter die 1 000 Punkte-Marke - zum ersten Mal seit September.

NEW YORK. Das Vertrauen der Anleger ist nach wie vor verspielt. Auch der Verbraucher, die Stütze der US-Konjunktur, scheint langsam die Freude und vor allem das Geld für den Konsum zu verlieren. Und auch der US-Dollar verliert von Tag zu Tag an Wert. Zusätzlich auf die Stimmung drückten wenig aufmunternde Daten aus dem konjunkturellen Umfeld. Das Handelsbilanzdefizit der USA ist im Mai auf ein historisches Hoch von 35,9 Mrd. $ gestiegen. Analysten sind alarmiert: Diese Zahl zeige die wahre Schwäche des Dollars, der gegenüber dem Euro auf einem 2-Jahrestief notiert. Das könnte sich zumindest aus europäischer Sicht ein Lichtblick sein. In der New Yorker Finanzwelt ist immer öfter zu hören, dass ausländische Anlagen in den kommenden Monaten spannender sein könnten als US-Aktien. Auf Wochensicht verlor der Dow Jones Index 2,3 Prozent. Der Nasdaq Composite rutschte um 4,2 % ab. Der Nasdaq 100 ist mittlerweile auf den Stand von Januar 1998 gefallen.

Dabei hatte die Woche aussichtsreich begonnen. Gleich mehrere Firmen richteten den Blick optimistisch nach vorne und schürten die Hoffnung, dass die derzeit laufende Ertragswarnungssaison glimpflich verlaufen könnte. McDonald´s will die Gewinnprognosen im laufenden Quartal schlagen, wie das Management im Rahmen eines Analystentreffen bekannt gab. Vor allem die Geschäfte in Europa liefen wieder besser, nachdem die Angst vor Rinderwahn überwunden scheint. Die größte US-Einzelhandelskette Wal-Mart sprach ebenfalls von guten Ergebnissen im laufenden Quartal.

Einen Schritt weiter sind bereits die Brokerhäuser. So ziemlich alles, was in der Branche Rang und Namen hat, meldete Quartalszahlen. Firmen wie Bear Stearns und Goldman Sachs konnten die Prognosen übertreffen. Doch angesichts der miesen Marktlage haben Investoren Broker-Aktien gemieden, und Finanztitel gehörten zu den größeren Verlierern der Woche.

Wachstumsbedenken gab es auch in der Automobilindustrie. Die Analysten von Morgan Stanley äußerten sich skeptisch über die weitere Performance der US-Autoaktien. Sie setzen General Motors und Ford auf "Marktgewichten" zurück und nennen beide Papiere explizit nicht länger "Attraktiv". Da die Autoindustrie drei bis fünf Prozent der US-Wirtschaft ausmacht, hat auch der Glaube an einen schnellen Turn-Around einen Dämpfer erhalten.

In dieser Woche wird am Mittwoch die Notenbank tagen. Viele Finanzexperten rechnen mittlerweile damit, dass Alan Greenspan die Leitzinsen in diesem Jahr nicht mehr anfassen wird. Auch kein Zeichen dafür, dass die Fed an eine schnelle Genesung von Corporate Amerika glaubt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%