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„Wölfe“ lammfromm - HSV im Doll-Rausch

Zu Hause bissig, in der Fremde lammfromm: Erik Gerets schüttelte angesichts der zwei Gesichter der „Wölfe“ ratlos den Kopf, Keeper Simon Jentzsch riss sogar der Geduldsfaden.

dpa HAMBURG. Zu Hause bissig, in der Fremde lammfromm: Erik Gerets schüttelte angesichts der zwei Gesichter der "Wölfe" ratlos den Kopf, Keeper Simon Jentzsch riss sogar der Geduldsfaden.

"Nein, Spaß macht das alles nicht mehr", raunzte er nach dem 1:3 des VfL Wolfsburg im 15. Nordderby beim Hamburger SV und dem Sturz von der Tabellenspitze. Er war nicht fehlerlos geblieben und musste sich Fragen anhören nach seinen Ambitionen in der Nationalelf - wohlwissend, dass er sie nicht gesteigert hatte. Seinen Marktwert erhöht hat eindeutig Thomas Doll, der die vor Wochen noch lustlosen und verängstigten HSV-Profis zu einem leidenschaftlichen Offensiv-Fußball animieren konnte.

"Ich kann das alles noch gar nicht realisieren, es ist für einige sogar wie im Märchen", meinte der bescheidene Coach, der besonders stolz war, wie sein Team das Blitztor von Thomas Brdaric nach nur 19 Sekunden wegsteckte. Fünf Mal waren die Hanseaten zuvor in Spielen unter Trainer Klaus Toppmöller in Rückstand geraten, jedes Mal hatten sie verloren. "Jetzt haben wir acht Punkte Abstand zu den Abstiegsplätzen und wollen mit dem Thema nichts mehr zu tun haben", meinte der 38-jährige Doll, dem in einem Monat der Sprung von Platz 18 auf zehn gelungen ist. Sein Rezept ist ähnlich wie das des Bundestrainers Jürgen Klinsmann: "Wir reden nicht über die Schwächen, wir feilen an den Stärken der Spieler". Fehler sind erlaubt - müssen aber ausgebügelt werden.

So war der niederländische Nationalspieler Khalid Boulahrouz beim Brdaric-Treffer noch gar nicht auf Betriebstemperatur. Im Spielverlauf zeigte der angeblich für 15 Mill. Euro vom FC Barcelona Umworbene, warum er laut Statistik derzeit der beste Abwehrspieler der Liga ist. Und Nebenmann Daniel van Buyten erhielt durch einen anerkennenden Klaps vom belgischen Landsmann Gerets das größte Kompliment des Abends: "Ich war einmal ein großer Fan von ihm. Das macht mich schon stolz", sagte der HSV-Kapitän, der neuerdings nicht nur die Abwehr im Griff hat, sondern auch immer torgefährlicher wird.

"Doll hat Ordnung reingebracht. Jeder Spieler spielt auf der Position, die ihm liegt", erklärte Stefan Beinlich. Der 32 Jahre alte Berliner - unter Toppmöller schon abgeschrieben - glänzte mit den besten Zweikampfwerten. Geschlossen im HSV-Zwirn will die Doll-Elf bei der Mitgliederversammlung auftreten, wo erstmals seit Jahren wieder schwarze Zahlen verkündet werden sollten.

Eine gute Organisation und Spielmacher Andres D'Alessandro fehlten den Niedersachsen. Abwehrchef Kevin Hofland war einsichtig: "Jeder muss selbstkritisch sein. Ich habe ein schlechtes Spiel gemacht." Zur vierten Gastspiel-Niederlage nacheinander trug zudem die gelb-rote Karte für Hoflands Nebenmann Facundo Quiroga (71.) bei. Besonders indisponiert wirkte Martin Petrow, der keine Bindung zu den Kollegen fand. "Ich mache mir große Sorgen", war alles, was Gerets noch einfiel. Nur Patrick Weiser fand aufmunternde Worte: "Wir stehen doch immer noch sensationell da". In der Frage der Besetzung des Managers scheint der VfL auch nicht weitergekommen zu sein. Aus dem Umfeld verlautete, Rudi Völler habe abgesagt.

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