Wohnung von ägyptischem Arzt durchsucht – Attentäter nahm erste Flugstunden in Bonn
Terror-Spuren führen auch nach Bayern

Das Hamburger Terrornetzwerk hat offenbar seine Fäden bis nach Bayern gesponnen: In Neu-Ulm durchsuchte die Polizei die Wohnung eines Mannes, der jedoch nicht als Beschuldigter gilt, wie die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Scheuten, am Dienstag sagte. Das ZDF berichtete von Hinweisen, dass sich der 53-jährige ägyptische Arzt Adley el A. und der Terrorpilot Mohamed Atta in Neu-Ulm trafen.

HB KARLSRUHE/BONN. Sein Komplize Marwan Al Shehhi soll im Oktober 1999 erste Flugerfahrungen in Deutschland gesammelt haben. Der 23-Jährige, der die zweite Maschine in das World Trade Center gelenkt haben soll, flog nach Auskunft des Luftsportvereins am Sportflughafen Bonn-Hangelar von dort mit einem Piloten mit. Vorstandsmitglied Ursula Grote sagte, bei dem Piloten handele es sich um einen Deutschen, der einen eigenen zweisitzigen Ultra-Leichtflieger am Sportflughafen stationiert habe.

Nach Angaben Grotes hatte Al Shehhi "das Fliegen hier nicht gelernt". Er sei lediglich mitgeflogen. Auf keinen Fall habe der Mann in Hangelar eine Ausbildung gemacht. Wie der Flugzeugbesitzer dem Magazin "Stern" berichtete, war der Junge "hoch konzentriert und äußerst talentiert".

Al Shehhi habe auf einer besonderen Route bestanden, die über Chemiebetriebe und Raffinerien, die Kölner City, das damalige Bonner Regierungsviertel und das Bundesverteidigungsministerium führte. Nach seiner zweiten Flugstunde, die etwa zehn Tage später stattgefunden habe, habe er sich nicht mehr gemeldet.

In Neu-Ulm durchsuchten nach Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" Beamte des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamtes Bayern am vergangenen Samstag die Wohnung des ägyptischen Arztes. Dem Bericht zufolge stufen Sicherheitskreise den Mann als "verdächtigen Zeugen" ein. Wie Atta stamme der Chirurg, der an der Universität Ulm studiert hat, aus Ägypten. Zu Details der Ermittlungen wollte die Bundesanwaltschaft nicht Stellung nehmen.

A. unterhält dem Bericht zufolge Kontakte zu islamistischen Kreisen in Ulm, die von Verfassungsschutzbehörden dem extremistischen Spektrum zugerechnet werden. Er war schon einmal in das Visier der Fahnder geraten, als Kontaktperson von Mamduh Mahmud Salim. Der mutmaßliche ehemalige Finanzchef des El-Kaida-Netzwerks von Osama bin Laden war 1998 bei München verhaftet und dann an die USA ausgeliefert worden. Salim hatte damals auf seinem Weg von Stuttgart nach München in Ulm Station gemacht; die Übernachtungsmöglichkeit war ihm von A. vermittelt worden. Der Arzt trug auch die Kosten für Salims Anwalt. Die damalige Befragung von A. war ergebnislos geblieben.

Den Recherchen zufolge pendelt der 53-Jährige regelmäßig zwischen Deutschland und dem Sudan, wo seine Familie, darunter seine deutsche Ehefrau, lebt. Er ist Partner in einer Gemeinschaftspraxis in Neu-Ulm, wo er sich seit Mitte August aufhielt. Am 20. September kehrte er nach Khartoum zurück.

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