Wohnungsmarkt boomt
US-Industrie bremst Erholung

Die US-Wirtschaft erholt sich weiterhin nur schleppend und stützt sich dabei zunehmend auf den boomenden Wohnungsmarkt. Darauf weisen am Mittwoch veröffentlichte Konjunkturdaten aus der weltgrößten Volkswirtschaft hin.

Reuters WASHINGTON. So ging der Auftragseingang für langlebige Industriegüter im Mai zwar überraschend zurück. Zugleich sorgten im vergangenen Monat aber die anhaltend niedrigen Zinsen für einen unerwarteten Rekordabsatz bei neuen Eigenheimen.

Volkswirte werteten die Auftragszahlen als weiteren Beleg für die fortdauernde Schwäche der US-Industrie, der den Ausschlag für eine kräftige Zinssenkung der US-Notenbank (Fed) um 0,50 %punkte geben könnte. Die Währungshüter wollten ihre Entscheidung am Abend (gegen 20.15 Uhr MESZ) bekannt geben. Der Dollar reagierte mit Kursverlusten auf die Daten, die US-Staatsanleihen legten zu. An der Wall Street bauten die Aktien ihre Kursgewinne nach Veröffentlichung des Eigenheimabsatzes etwas aus.

Das Volumen der Neuaufträge von Gebrauchsgütern mit einer Nutzungszeit von mehr als drei Jahren sei im Mai zum Vormonat um 0,3 % gesunken, teilte das Handelsministerium in Washington mit. Analysten hatten dagegen im Schnitt einen Anstieg um 0,8 % erwartet. Sowohl bei Computern als auch Autos und Maschinen war der Auftragseingang rückläufig.

"Dieser Bericht zeigt auch, dass die Wirtschaft wirklich mit erheblichem Gegenwind aus der Industrie rechnen muss", sagte Volkswirt Anthony Chan von Banc Investment Advisors. "Obwohl die Saat für eine Erholung gelegt ist, ist der Weg zu dieser Erholung noch nicht in Sicht."

Ram Bhagavatula von der Royal Bank of Scotland sagte mit Blick auf das Zinstreffen der US-Notenbank: "Wir erwarten, dass die Fed heute um 50 Basispunkte reduziert." Die Entwicklung bei den Auftragseingängen langlebiger Güter könnte die Währungshüter letztlich zu diesem Schritt veranlassen. An den Finanzmärkten gilt es als ausgemacht, dass die Fed eine geldpolitische Lockerung beschließen wird. Anleger und Finanzexperten sind sich allerdings uneins, ob sich die Notenbank für eine kräftige Reduzierung des Leitzinses von derzeit 1,25 % um 0,5 %punkte oder eine moderate um 0,25 %punkte entscheidet.

Unterdessen gab das Handelsministerium bekannt, dass die Zahl der verkauften neuen Eigenheime im Mai im Vergleich zum Vormonat um 12,5 % auf einen aufs Jahr hochgerechneten Rekordwert von 1,157 Mill. zugelegt habe. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt lediglich mit annualisiert 1,034 Mill. verkauften Häusern gerechnet. Auch der Markt für bestehende Eigenheime bleibt in einer starken Verfassung, wie Zahlen des nationalen Maklerverbandes zeigen. Demnach stieg der Absatz bestehender Eigenheime im Mai um 1,2 %. Die Hypothekenzinsen befinden sich derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit Jahrzehnten. Dies hatte die Nachfrage nach den eigenen vier Wänden kräftig angekurbelt.

"Der Wohnbau ist - Gott sei Dank - der Wirtschaftssektor, der offenbar gut läuft, während andere angeschlagen sind", sagte Carl Tannebaum von LaSalle Bank. Irgendwann werde aber auch dieser Bereich an Schwung verlieren.

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