Wolf kopiert Magath
Tollhaus Nürnberg

Der mächtige Präsident ist weiter in Feuerlaune, die erste Bank zieht die Reißleine - doch ein kämpferischer Wolfgang Wolf will als Trainer und Manager in Personalunion Ruhe ins Tollhaus 1. FC Nürnberg bringen.

HB/dpa MÜNCHEN. Nach der am Montagabend von Vereins-Chef Michael A. Roth vollzogenen Beurlaubung von Sportdirektor Edgar Geenen wird Wolf zumindest kurzfristig auch die Manager-Funktion bei den Franken übernehmen und die Planungen für den Neubeginn nach dem programmierten 6. Abstieg aus der Fußball-Bundesliga maßgeblich mitgestalten. "Ich habe ein Konzept, wie es weitergehen soll. Das werde ich auf den Tisch legen, mit dem Präsidenten besprechen und in der Doppelfunktion mit anschieben", sagte Wolf am Dienstag der dpa.

Völliges Neuland - sozusagen als Kopie von Team-Manager Felix Magath beim VfB Stuttgart - betritt der 45-Jährige nicht. "Ich kenne mich damit aus, bei den Stuttgarter Kickers bin ich auch Manager und Trainer gewesen", sagte Wolf. Am Dienstagmorgen ließ er sich noch vor dem Training im Büro von Ex-Manager Geenen "alle Verträge zeigen", um sich einen ersten Überblick zu verschaffen. Auch wenn der Trainer Wolf auf dem Fußballplatz weiterhin mit aller Kraft für das noch mögliche Wunder Nichtabstieg arbeitet, orientiert sich der Manager Wolf längst an den Realitäten: "Wir müssen uns mit der 2. Liga anfreunden und uns konzeptionell mit ihr beschäftigen."

Die Aussichten freilich sind katastrophal - sportlich und erst recht finanziell. Roth bestätigte am Montagabend im Bayerischen Fernsehen, dass eine Hausbank "kurzfristig Kredite gekündigt" habe. "Da bin ich kurzfristig eingesprungen", sagte der Unternehmer. 1,5 Mill. ? betrug bislang offiziell die Unterdeckung des Etats. Die vermutlich mehrere hunderttausend Euro teuren Abfindungen für Augenthaler und Geenen, die beide noch Verträge bis 2004 hatten, werden das Minus weiter in die Höhe treiben. Die Lizenz für die Spielzeit 2003/04 erhielt der "Club" schon vorher nur mit Auflagen.

Roth rechtfertigte trotzdem seine rigorose Entlassungswelle, deren letztes Opfer nach Augenthaler, Co-Trainer Thomas Brunner, Fitness- Coach Jürgen Sessner, Team-Betreuer Bernd Promberger und Mental- Trainer Peter Breidenbach am Montag Geenen war. "Hier geht es um die Existenz des Vereins, da muss man handeln", betonte Roth. Er warf Augenthaler und Geenen nochmals Versagen vor: "Sie haben drei Jahre jegliche Freiheiten gehabt, eine starke Mannschaft aufzubauen."

"Für mich war klar, dass dieser Schritt vollzogen wird", meinte Wolf zur Beurlaubung Geenens, in die er seit Sonntag eingeweiht war. Für ihn gelte es nun auszuloten, was unter den "finanziellen Zwängen" für die nächste Saison möglich sei. "Was für einen Kader können wir uns erlauben?", heißt die Kardinalfrage des Trainers, zumal Roth Leistungsträgern wie Torhüter Darius Kampa und Spielmacher David Jarolim praktisch die Freigabe zum Saisonende erteilt hat. "Wenn die Ablöse stimmt, werden wir sie auch abgeben", sagte der Präsident.

In Nürnberg soll zukünftig verstärkt "auf die heimische Scholle" gesetzt werden, so Roth. Teure Neuzugänge sind ausgeschlossen, was aber nichts am Auftrag des Präsidenten für Trainer-Manager Wolf bedeutet: "Unser Ziel ist es, sofort wieder aufzusteigen", erklärte Roth. Der sportliche und finanzielle Scherbenhaufen, vor dem der fränkische Traditionsverein steht, stellt dabei für den Präsidenten absolut kein unüberwindbares Hindernis dar: "Man kann auch mit wenig Geld Erfolg haben, das beweist im Moment der VfB Stuttgart."

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