Wolf tritt zurück
Münchner CSU nach Plakatstreit ohne OB-Kandidat

Nach bundesweitem Wirbel um ein umstrittenes Wahlkampfplakat steht die Münchner CSU vier Monate vor der Oberbürgermeisterwahl ohne Kandidaten da. Der Bundestagsabgeordnete Aribert Wolf (42) zog aus Enttäuschung über mangelnde Solidarität der Partei im Streit um das so genannte Terrorplakat seine Bewerbung zurück.

dpa MÜNCHEN. Die Oberbürgermeisterwahl in der bayerischen Landeshauptstadt findet am 3. März 2002 statt. Amtsinhaber Christian Ude von der SPD gilt Umfragen zufolge als klarer Favorit.

Auf dem Plakat hatte die CSU der Stadt München mit dem Slogan "Terrorzellen in München - Die Stadt zahlt die Miete" vorgeworfen, Terroristen zu unterstützen. SPD und Grüne reagierten empört. Auch die Staatskanzlei und die CSU-Landesleitung hatten sich Berichten zufolge von dem Plakat distanziert.

Wolf gab seine Kandidatur nach eigenen Angaben am Samstagabend zurück. Noch tagsüber hatte er Gerüchte über einen bevorstehenden Rücktritt dementieren lassen. In einer Erklärung schrieb Wolf am Sonntag, die Diskussion um das Plakat habe ihm gezeigt, wie brüchig die Solidarität und Unterstützung der Partei sei. "Dieser Vorgang war aus meiner Sicht der letzte Punkt in einer langen Reihe von versteckten und öffentlichen Versuchen von Parteifreunden, den Erfolg meiner OB-Kandidatur unmöglich zu machen." Wolf betonte, er sei nicht der alleinige Ideengeber für das Plakat gewesen.

Der Münchner CSU-Bezirkschef Johannes Singhammer bedauerte den Rücktritt Wolfs, zeigte zugleich aber auch Verständnis dafür. Es gelte nun "ohne schädliche Verzögerung" einen neuen Kandidaten zu benennen. Singhammer kündigte eine außerordentliche Sitzung des Bezirksvorstands für den 6. November an.

Der Vorsitzende der Münchner SPD, Franz Maget, sagte: "Das Chaos in der Münchner CSU ist kaum mehr vorstellbar." Dabei werde auch die Führungsschwäche von CSU-Chef Edmund Stoiber immer deutlicher. Dieser scheine keinen Einfluss auf die Aktivitäten der Münchner CSU zu haben.

Wolf war bereits 1999 für die Münchner CSU als OB-Kandidat angetreten und hatte gegen Ude 37,4 % erreicht. Zuvor hatten in einem monatelangen parteiinternen Hickhack zwei andere CSU-Bewerber ihre Kandidatur wieder zurückgegeben.

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