Wolfgang Storz löst die bisherige Doppelspitze in der Chefredaktion ab
Frankfurter Rundschau leitet Führungswechsel ein

Wolfgang Storz (48), stellvertretender Chefredakteur und Leiter der Seite 3, löst die Doppelspitze ab, die von Jochen Siemens (54) und Hans-Helmut Kohl (51) gebildet wurde.

jkn FRANKFURT/M. Beiden sei eine Funktion im ausländischen Korrespondenten-Netz angeboten worden, teilte der Verlag gestern mit. Zu stellvertretenden Chefredakteuren wurden Jürgen Metkemeyer und Stephan Hebel ernannt.

Die traditionsreiche linksliberale Tageszeitung ist durch den Einbruch im Anzeigengeschäft - bei klassischen Anzeigen beträgt das Minus 30 %, bei Stellenanzeigen sogar 50 % - in Turbulenzen geraten. Die Folge: Der Kreditrahmen ist angesichts ausbleibender Erträge komplett ausgeschöpft. Daraufhin haben die Hausbanken, die Frankfurter Sparkasse 1822 sowie die Dresdner Bank, interveniert. Zunächst durchleuchteten KPMG-Berater den Verlag, dann wurde dem Management auf Wunsch der Kreditinstitute mit Kai Bartels ein Generalbevollmächtigter zur Seite gestellt.

Zwar haben die Banken der FR vorläufig einen weiteren Kredit eingeräumt. Weitere Zahlungen hängen allerdings an drei zentralen Auflagen der Geldgeber. Die Forderung nach einer neuen redaktionellen Leitung wurde gestern erfüllt. Zudem wollen die Banken einen neuen Verlagsleiter. Diesen soll Bartels außerhalb der FR suchen. Der neue Leiter soll den über 70jährigen Horst Engel, ablösen. Wichtigste Aufgabe des neuen Verlagsleiters - dies ist die dritte Auflage der Geldgeber - ist die Entwicklung eines Zukunftskonzepts.

Außerdem soll es nach dem Willen der Banken künftig nur noch drei Topmanager an der FR-Spitze geben. Vorgesehen ist zum einen ein Hauptgeschäftsführer. Wie aus dem Umfeld der FR zu hören ist, soll Hans-Peter Volz, bislang stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, gute Chancen auf diesen Posten haben. Daneben soll es einen Druckereigeschäftsführer sowie einen Verlagsleiter geben.

Der Druck der Banken, im Verlag eine Führungstruktur zu installieren, die der eines klassischen Industrieunternehmens ähnelt, trifft nicht nur die FR. Ähnliches hat auch der Süddeutsche Verlag (Süddeutsche Zeitung) vor. Offensichtlich trauen die Banken den traditionellen Strukturen der Verlage nicht mehr.

In der FR-Redaktion stieß die neue Führung mehrheitlich auf Zustimmung. Wichtig sei, dass die Hängepartie ein Ende habe, hieß es. Wie die weiteren Sanierungsschritte konkret aussehen, bleibt dagegen unklar. Nach Angaben von Verlagsleiter Utz Grimmer werden bis Jahresende 90 der 1 640 Arbeitsplätze gestrichen, nachdem vor kurzem bereits 50 Mitarbeitern gekündigt worden war. Ende 2003 soll die FR dann noch 1 200 Mitarbeiter haben. Auch über eine Einstellung der Wochenendbeilage "Magazin" werde nachgedacht, heißt es.

Quelle: Handelsblatt

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