Wolfsburger Konzern zufrieden mit dem Bestelleingang
VW Phaeton startet gegen S-Klasse und 7er-BMW

Der Volkswagen-Konzern verbreitet Optimismus: Für die neue Luxuskarosse "Phaeton" sei eine große Zahl an Bestellungen eingegangen. VW fährt mit dem Auto hohes Risiko. Die etablierten Wettbewerber Mercedes S-Klasse und 7er-BMW sind stark, Erträge wird das VW-Spitzenmodell kaum abwerfen.

pha/zel BERLIN/DÜSSELDORF. Volkswagen ist zufrieden mit der Nachfrage nach seinem neuen Luxusmodell "Phaeton". VW-Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer sagte bei der Präsentation des Autos in Berlin, bislang seien 1 200 Bestellungen eingegangen. Der VW-Konzern will mit dem "Phaeton" einen neuen Konkurrenten zur S-Klasse von Mercedes und zum 7er-BMW anbieten. Die Preise für die VW-Luxuskarosse liegen zwischen 56 200 und 98 600 Euro. Volkswagen will von 2004 an jährlich 20 000 Exemplare des neuen Autos verkaufen.

Konzernchef Bernd Pischetsrieder ergänzte, der "Phaeton" werde das Image der gesamten Markengruppe Volkswagen anheben. Zugleich bekräftigte er, dass der "Phaeton" nicht dazu dienen solle, andere Modelle der Marke VW teurer zu verkaufen. Vielmehr sollten Kunden von den anderen etablierten Nobelmarken gewonnen werden. VW macht sich allerdings derzeit keine großen Hoffnungen, hohe Erträge mit dem Auto zu erwirtschaften. Das "Phaeton"-Projekt hat nach ersten Schätzungen bislang etwa 800 Mill. Euro für Entwicklung und Produktionsanlagen verschlungen.

Albrecht Denninghoff, Automobilanalyst der Hypovereinsbank in München, räumt dem neuen Fahrzeug zum Verkaufsstart Ende Mai nur "begrenzte Chancen" ein. VW werde mit dem "Phaeton" sehr lange brauchen, in das Feld der etablierten Wettbewerber vorzustoßen. Der Wolfsburger Konzern brauche "Geduld und langen Atem". Das Konzept zur Markteinführung sei immerhin durchdacht und wohl überlegt. Hinter den Kulissen haben Automobilzulieferer jedoch bereits Zweifel angemeldet, ob das Absatzziel von jährlich 20 000 Autos erreicht werden kann. BMW verkauft etwa 50 000 Stück von seiner 7er-Reihe, bei Mercedes sind es pro Jahr mehr als 100  000 S-Klasse-Modelle.

Nach ersten Fahreindrücken mit dem "Phaeton" kommen Autotester zu der Erkenntnis, dass der große Volkswagen (Länge: 5,05 Meter) aus der Gläsernen Manufaktur in Dresden dem Oberklasse-Establishment Paroli bieten kann. Die Fahreigenschaften - insbesondere wegen der verstellbaren Luftfederung - erfüllen die hohen Ansprüche der Luxusklasse. VW hat sich in Sachen Technik auf jeden Fall große Mühe gegeben - die Furcht vor einer Blamage hat grobe Schnitzer von vornherein verhindert.

Bei dem neuen Auto fallen die klassischen Proportionen und die viel gelobte Heckpartie mit den "Ferrari"-Rückleuchten auf. Zudem glänzt der große VW mit einem Innenraum-Ambiente der Extraklasse. Es würde ohne weiteres auch einem Rolls-Royce oder Bentley zur Ehre gereichen. Vor allem der Materialmix sorgt für einen extravaganten Einrichtungsstil: Leder, Holz und Chrom vereinen sich zu einem handwerklich hochwertigen Verarbeitungsverbund.

So viel Produktqualität aus dem Stand heraus verdient Respekt. Doch beim "Phaeton" stellt sich die grundsätzliche Frage: Warum soll ein Kunde, der im Topsegment auf Einkaufstour geht, ausgerechnet bei VW Halt machen? Betuchte Traditionalisten dürften sich kaum für den "Phaeton" einnehmen lassen. Die junge Internet-Avantgarde vielleicht schon eher. All jene also, die High Tech in reduzierter Form als Sinnbild für Luxus empfinden und auf der Suche nach einer neuen automobilen Kleiderordnung sind. VW-Vertriebsvorstand Detlef Wittig fügt hinzu: "Diese Kunden werden sich ganz bewusst nicht mit den gleichen Statussymbolen identifizieren wie ihre Eltern."

Für Volkswagen bleibt das wirtschaftliche Risiko. Ob der "Phaeton" wirklich ein Erfolg geworden ist, das wird sich erst in ein paar Jahren gezeigt haben.

Quelle: Handelsblatt

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