"Wollen ins WM-Finale"
Markige Sprüche vor Härtetest gegen Argentinien

Auch die erneut ausufernde Verletztenliste kann die Aufbruchstimmung in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sechs Wochen vor dem WM-Start nicht erschüttern.

dpa LUDWIGSBURG. Mit markigen Sprüchen stimmten sich Rudi Völler und sein Personal auf den WM- Härtetest gegen Argentinien ein. "Das Schlimmste, was passieren kann, wäre ein 5:0-Sieg für uns. Dann wären wir ja WM-Favorit", tönte Jens Jeremies und schob "natürlich das Finale" als selbstgestecktes WM- Ziel hinterher. Und selbst der sonst eher reservierte Abwehrchef Jens Nowotny trug 24 Stunden vor dem Anpfiff im ausverkauften Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion das neue Selbstbewusstsein zur Schau. "Die Stars bei uns sind genau so groß wie die bei Argentinien", stellte er das eigene Team auf eine Stufe mit dem Weltranglisten-Zweiten.

Allerdings werden beide Mannschaften am Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) auf eine ganze Reihe von Leistungsträgern verzichten müssen. Als Ausfall Nummer zehn meldete sich am Dienstag der Leverkusener Mittelfeldspieler Bernd Schneider wegen einer schweren Erkältung bei Völler ab. Zudem war fraglich, ob Kapitän Oliver Kahn, der wegen einer Magen-Darm-Erkrankung nicht am Abschlusstraining teilnahm, rechtzeitig wieder bei Kräften sein würde.

"Er hat in der Nacht einen Rückfall erlitten. Im Moment sieht es bei ihm nicht gut aus, aber er ist ein harter Hund", berichtete Völler vorsichtig optimistisch. Zugleich widersprach er Meldungen, wonach für Christian Ziege nach seiner Operation am Sprunggelenk die WM in Gefahr sei: "Wenn alles normal läuft, wird er nächste Woche schon wieder leicht trainieren."

Des einen Leid ist des anderen Chance

Durch die personellen Probleme erhalten etliche Wackelkandidaten die Möglichkeit, sich auf den letzten Drücker noch einen Platz im 23-köpfigen WM-Aufgebot zu sichern. Dies gilt in erster Linie für den Schalker Jörg Böhme, der erstmals seit dem 1:5-Desaster gegen England und seinem persönlichen Debakel gegen David Beckham wieder in die Anfangself zurückkehrt. Der 28-Jährige steht dabei auf der linken Seite gegen Argentiniens Altstar Claudio Caniggia (35) erneut vor einer defensiven Herausforderung. Auf der rechten Seite kommt für Schneider der Bremer Torsten Frings zum Zug. "Er ist einen großen Schritt voran gekommen und hat viele Pluspunkte gesammelt", attestierte Völler dem 25- Jährigen.

"Das ist kein Qualifikationsspiel und keine Endrunde, sondern ein Test. Und in solchen Spielen kann man schon einmal ein Risiko eingehen", ließ der sonst ganz auf Sicherheit und Bewährtes setzende Völler durchblicken, dass er sich notgedrungen auf mehr Experimente einlassen könnte als ihm lieb ist. So auch in der Abwehr. Beim Abschlusstraining zog er den Leverkusener Carsten Ramelow anstelle von Christoph Metzelder in die Dreierkette mit Jens Nowotny und Thomas Linke zurück.

Ohnehin ist nach seiner Ansicht der nach den Relegationsspielen gegen die Ukraine und den Schützenfesten gegen Israel (7:1) und die USA (4:2) gewonnene Kredit bei den Fans nicht vom Ergebnis gegen die Südamerikaner abhängig. "Die Gefahr war bei den Spielen gegen die so genannten kleineren Nationen viel größer. Wenn es mit einem Sieg gegen Argentinien nicht klappen sollte, wir aber gut gespielt haben, geht die Welt sicher nicht unter", prophezeite Völler und relativierte die Bedeutung des Prestigeduells: "Richtig wichtig wird es erst, wenn wir uns nach der Bundesliga-Saison zum Trainingslager für die WM zusammenziehen."

Teamchef erhofft sich neue Erkenntnisse

Dennoch erhofft sich der Teamchef vom viertletzten und hochkarätigen Test vor der WM Erkenntnisse darüber, wo seine Elf im Vergleich mit der Weltspitze steht. In den vergangenen acht Jahren endeten diese Kräftevergleiche auf deutschem Boden meist mit Enttäuschungen für die DFB-Auswahl. Seit dem 2:1-Sieg gegen Italien am 23. März 1994 in Stuttgart ist es der DFB-Auswahl auf heimischem Terrain nur noch beim Amtsantritt von Völler gegen Spanien (4:1 in Hannover) gelungen, ein Spitzenteam zu schlagen.

Die Messlatte hatte vor drei Wochen WM-Gruppengegner Kamerun gelegt. Der von Winfried Schäfer trainierte Afrika-Meister hatte dem zweimaligen Weltmeister ein 2:2 abgerungen. In Stuttgart können aber auch die Argentinier nur bedingt den WM-Ernstfall testen: Neben Stürmerstar Gabriel Batistuta wiegt vor allem der Ausfall von Spielmacher Juan Sebastian Veron von Manchester United schwer. "Er ist der Kopf der Mannschaft", urteilte Völler und fügte fast ein wenig neidisch hinzu: "Aber wer deren komplettes Aufgebot sieht, weiß, dass sie aus dem Vollen schöpfen können."

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