Wollen Probleme nicht übernehmen
Andersen und Deloitte sondieren Fusion

Der Enron-Skandal führt möglicherweise zu einem Zusammenschluss der Rechnungsprüfer von Arthur Andersen mit der Konkurrenz von Deloitte Touche Tohmatsu.

dpa NEW YORK. Der Enron-Skandal führt möglicherweise zu einer Zusammenschluss der Rechnungsprüfer von Arthur Andersen mit der Konkurrenz von Deloitte Touche Tohmatsu. Nach einem Bericht der "New York Times" (Onlineausgabe) vom Montag verhandeln beide bereits über einen Verkauf. Eine Vereinbarung könnte schon in dieser Woche angekündigt werden. Die Firmen selbst nahmen keine Stellung. Entscheidendes Problem soll die Frage sein, wie Deloitte vor möglichen Enron-Belastungen von Andersen verschont werden kann.

Arthur Andersen mit Sitz in Chicago hatte nach Angaben der Zeitung im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 9,3 Mrd. $ (10,7 Mrd. Euro) und beschäftigt 85 000 Mitarbeiter in 84 Ländern. Deloitte brachte es auf einen Umsatz von 12,4 Mrd. $, davon 3,5 Mrd. $ im Consulting-Geschäft. Die Gesellschaft hat 95 000 Beschäftigte in 140 Ländern. Deloitte will sein Buchführungs- und Consulting-Geschäft trennen.

Arthur Andersen ist die fünftgrößte und Deloitte der zweitgrößte Rechnungsprüfer. Sie gehören zu den "Großen Fünf", den fünf weltgrößten Rechnungsprüfer-Firmen. Die anderen drei Unternehmen sind Ernst & Young, PricewaterhouseCoopers und KPMG.

Andersen droht eine mögliche Anklage wegen Justizbehinderung. Die Gesellschaft war der Rechnungsprüfer für den bankrotten Energiehändler Enron. Andersen hatte Enron-Dokumente vernichtet. Die Verhandlungen zwischen den beiden Firmen hätten in der vergangenen Woche begonnen. Die Bedingungen für eine potenzielle Vereinbarung seien noch offen. Es sei auch noch nicht entschieden, ob Andersen ganz oder stückweise verkauft werden solle, so die Zeitung.

Die Verhandlungen konzentrierten sich auf die komplexe Frage, wie Deloitte rechtliche und finanzielle Verpflichtungen vermeiden könne, die Andersen für seine Rolle im Enron-Debakel drohen. Deloitte sei an einem Andersen-Kauf interessiert, wolle aber die Probleme nicht mit übernehmen, die das Überleben der Firma bedroht hätten.

Deloitte werde keine Transaktion durchführen, bei der sie die rechtlichen Andersen-Verpflichtungen übernehmen müsste. Eine Lösung wäre nach Angaben der "New York Times" ein Verkauf von Vermögenswerten statt eine Fusion oder volle Akquisition. Deloitte könnte alles mit Ausnahme der amerikanischen Operationen übernehmen. Diese Sparte könnte temporär alleine stehen, während über eine Lösung der Enron-Probleme verhandelt werde.

Andersen drohen im Zusammenhang mit seiner Rechnungsprüfer- Tätigkeit bei Enron riesige Forderungen. Es laufen auch Gerichtsklagen. Anderson-Anwälte würden in den kommenden Tagen mit dem US-Justizministerium verhandeln, um Vorwürfe einer kriminellen Justizbehinderung im Zusammenhang mit der Zerstörung von Enron - Dokumenten zu verhindern. Eine Anklage gegen die 88-jährige Firma könnte ein tödlicher Schlag sein, erklärte das "Wall Street Journal" am Montag.

Ein Verkauf oder eine Fusion hänge von einem Mechanismus ab mit dem die Firma ihre Enron-Verpflichtungen von einem Fusionspartner abschirmen könne. Ein Weg, der untersucht werde, sei ein möglicher Konkursantrag im Rahmen des Kapitel Elf des US-Konkursrechtes. Ein Verkauf oder eine Fusion könnte unter Gerichtsschutz vor Gläubigern und Klägern erfolgen, schrieb das "Wall Street Journal".

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