„Wollte Sport nicht schaden“
US-Sprinter Drummond beugt sich Druck

US-Sprinter Jon Drummond ist seinem Ausschluss zuvor gekommen und hat auf einen weiteren Start bei der 9. Leichtathletik- Weltmeisterschaft in Paris verzichtet.

HB/dpa PARIS. "Es war nicht meine Absicht, dem Sport, den anderen Läufern und den Zuschauern zu schaden", hieß es in einer am Dienstagabend verbreiteten Erklärung des 34-jährigen Staffel-Olympiasiegers, der zugleich seine Saison beendete. Mit dem Verzicht Drummonds hat er eine mögliche Ausweitung des Konfliktes zwischen dem Weltverband IAAF und dem amerikanischen Verband USATF verhindert.

"Ich halte die Lösung nicht für glücklich, sie hat keine abschreckende Wirkung für mögliche Nachahmer", kritisierte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), "man hätte zumindest feststellen müssen, dass es ein Verstoß gegen das Fair Play war." Zufrieden ist hingegen der deutsche IAAF- Vizepräsident Helmut Digel mit der Lösung: "Mit dieser Entscheidung des Athleten wird der Welt gezeigt, dass man nicht gegen die sportliche Fairness verstoßen darf." Dass der US-Sprinter zugleich die Saison beende

, käme einer sechsmonatigen Sperre gleich, die ihm gedroht hätte.

Der schnelle Querulant Drummond hatte nach seiner Disqualifikation im Zwischenlauf am Sonntag fast eine Viertelstunde lang auf der Bahn herumgetobt und damit für einen Eklat gesorgt. "Ich hatte geglaubt, dass ich nur für das gekämpft habe, was mein Recht ist", sagte Drummond, "ich habe ehrlich geglaubt, keinen Fehlstart verursacht zu haben." Er hoffe nun, dass alle in der Leichtathletik zusammenarbeiten, um ein besseres Startsystem für die Sprinter zu entwickeln.

Nach seinem unrühmlichen Ausstieg sind auch die Chancen der US- Sprintstaffel geschmälert, da Ex-Weltrekordler Maurice Greene wegen einer in Paris erlittenen Verletzung ebenfalls nicht zur Verfügung steht.

Dem nicht ganz freiwilligen Rückzug Drummonds - den USATF der IAAF eine halbe Stunde vor Ablauf der gesetzten Erklärungsfrist mitteilte - war ein sportpolitisches Pokerspiel hinter den Kulissen vorausgegangen. Obwohl die IAAF selbst das Recht gehabt hätte, Drummond nach ihrer Regel 53,1 auszuschließen, wollte der Generalsekretär des Weltverbandes, Istvan Gyulai, wohl die Leichtathletik-Nation Nummer 1 nicht düpieren.

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