Womöglich Informationspflichten verletzt
Bilanzschwindel bei Ahold hat ein Nachspiel

Die paneuropäische Börse Euronext hat offizielle Untersuchungen eingeleitet. Auch die US-Börsenaufsicht interessiert sich für den Fall. Der Kurs der Aktie fiel unterdessen weiter.

rtr AMSTERDAM. Die paneuropäische Börse Euronext hat die Untersuchung der Vorgänge bei dem von Bilanzproblemen erschütterten niederländischen Einzelhandelsunternehmen Ahold eingeleitet.

Da Ahold-Aktien zugleich an der New Yorker Wall Street notiert sind, steht auch von Seiten der US-Börsenaufsicht SEC wegen der von dem Unternehmen angekündigten teilweisen Neuerstellung der Bilanzen eine Untersuchung an.

Die Ahold-Aktien setzten am Dienstag ihren Kursrutsch fort und verloren bis zum Abend rund neun Prozent auf 3,27 ?. Bereits am Vortag hatten die Papiere rund zwei Drittel ihres Wertes verloren, nachdem der nach Umsatz weltweit drittgrößte Einzelhandelskonzern Falschbuchungen bei der US-Tochter U.S. Foodservice eingestanden und den Rücktritt von Vorstandschef Cees van der Hoeven und Finanzvorstand Michael Meurs bekannt gegeben hatte.

Die Ahold-Heimatbörse Euronext Amsterdam teilte am Dienstag mit, sie werde prüfen, ob das Unternehmen seiner Informationspflicht rechtzeitig nachgekommen sei. "Artikel 28 der Notierungs- und Emissionsrichtlinien schreibt vor, dass jeder Emittent jede Tatsache, die den Kurs beeinflussen könnte, unmittelbar veröffentlichen muss", teilte Euronext Amsterdam mit. Euronext hat zwar keine Aufsichtspflicht über die Bilanzierung der bei ihr gelisteten Unternehmen, sie kann aber Sanktionen verhängen, wenn Firmen der Pflicht zur schnellen Veröffentlichung kursbewegender Nachrichten nicht nachkommen. Ein Ergebnis der Untersuchungen werde aber eher in einigen Monaten als in einigen Wochen vorliegen, sagte ein Sprecher von Euronext weiter.

Euronext ist im Jahr 2000 als Zusammenschluss der Börsen in Paris, Amsterdam und Brüssel entstanden. Anfang des Jahres 2002 kam die Börse in Lissabon hinzu. Zudem gehört die Londoner Derivate-Börse LIFFE seit dem vergangenen Jahr zu Euronext.

Ahold hatte nach eigenen Angaben bei U.S. Foodservice den operativen Gewinn um mehr als 500 Mill. ? zu hoch verbucht. Die US-Tochter habe von Lieferanten angebotene Provisionen in den Bilanzen deutlich höher angegeben, als diese dann tatsächlich gezahlt worden seien.

Mehrere Investmentbanken stuften ihre Gewinnerwartungen sowie die Kursziele für Ahold deutlich herab. Analysten warfen dem Konzern eine unzureichende Informationspolitik vor. "Abgesehen vom Ausmaß der Gewinnwarnung vom Montag waren wir zu dieser kritischen Zeit bestürzt über den Mangel an Details und Informationen, und wir sind daher nicht überrascht über den Kurskollaps", sagte Analyst Ben Britz von Morgan Stanley. Er senkte das Ahold-Kursziel auf 7,99 ? von zuvor 13,99 ?. Die Analysten der UBS reduzierten das Kursziel sogar auf nur noch 3,80 ? von zuvor 11,80 ?.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%