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Wonnemonat April

Börsianer haben die Osterfeiertage offenbar zur Muße genutzt und in der abgelaufenen Woche erneut ein kleines Kursfeuerwerk veranstaltet. Zum Wochenende ging den Märkten dann etwas die Luft aus und Anleger haben einige Gewinne eingestrichen. Im Wochenverlauf haben Blue Chips knapp fünf Prozent, der Nasdaq Composite rund zehn Prozent zugelegt.

Doch nicht nur Börsianer sondern auch Notenbankchef Alan Greenspan hat am vergangenen Wochenende seine Hausaufgaben gemacht und am Mittwoch völlig überraschend die Leitzinsen um 50 Basispunkte gesenkt. Auch wenn niemand zu diesem Zeitpunkt mit einem Zinsschritt gerechnet hatte, gute Gründe wird Greenspan haben. Die letzten Arbeitsmarktdaten etwa legen den Verdacht nahe, dass die amerikanische Wirtschaft angeschlagen ist und etwas Unterstützung zum jetzigen Zeitpunkt gut gebrauchen kann. Am Dienstag wurden die Verbraucherpreise für März veröffentlicht, die den geringsten Anstieg seit sieben Monaten verbucht haben. Von Preisdruck kann derzeit wahrlich keine Rede sein.

Neben Greenspan und seinen Zinsen waren Unternehmensergebnisse die treibende Kraft für die amerikanischen Aktienmärkte. Zum Wochenauftakt hatte der Netzwerkkonzern Cisco Systems noch für einige Verwirrung gesorgt. Das Management hatte angekündigt, dass die Umsatzerwartungen im dritten Quartal deutlich verfehlt werden. Wie so viele Unternehmen in den USA will nun auch Cisco zum Allheilmittel greifen und 8.500 Arbeitsplätze streichen. Die Nachricht blieb interessanterweise ohne gravierende Auswirkungen, was fast schon ein erstes Indiz für die bevorstehende Rally war.

Über 1000 Firmen haben im Wochenverlauf Quartalszahlen gemeldet. Entgegen dem positiven Trend hat die Gesundheitsbranche nicht von Geschäftszahlen profitiert. Dabei sind die Ergebnisse von Merck, Pfizer und Co. auf den ersten Blick gar nicht so schlecht ausgefallen. Allerdings konnten Anleger zwischen den Zeilen lesen, dass viele Pharmakonzerne von einigen wenigen sogenannten Blockbustern abhängen. Und wenn, wie im Falle Pfizer das Potenzmittel Viagra oder bei Merck das Schmerzmittel Vioxx enttäuschende Verkaufszahlen aufweist, dann reagiert die Börse, wie in dieser Woche zu beobachten allergisch.

Insgesamt kann sich die bisherige Ertragssaison jedoch sehen lassen. Im Computersektor haben Apple und IBM für neue Kursphantasien gesorgt. Allerdings sind in diesem Bereich noch nicht sämtliche Skeptiker verstummt. Zumindest hinsichtlich der Zukunftsaussichten vergleicht die Credit Suisse Apple mit einer Independent Filmproduktion. Ein Hit kann die Verkaufzahlen heute in die Höhe treiben. Ein Flop, wie zuletzt die Cubes, kann das Ergebnis aber eben so schnell wieder belasten.

Negative Stimmung ging zunächst auch vom Chipsektor aus. Die Investmentbank Morgan Stanley Dean Witter rechnet vor dem Ende des dritten Quartals nicht mit einem anhaltenden Aufwärtstrend von Halbleitertiteln. Nach den Quartalszahlen des Chipgiganten Intel ist die Stimmung jedoch schnell umgeschlagen. Die Konsensschätzungen konnten leicht übertroffen werden. Ab der zweiten Jahreshälfte rechnet Intel mit der Erholung der Branche.

Bei den vielen positiven Meldungen liefen die Aktien der Unternehmen bereits im Vorfeld wie geschmiert. Ein Beispiel war der Softwareriese Microsoft. Letztendlich hat Microsoft dann auch die Erwartungen getopt. Die Schwäche im PC-Markt konnte dabei durch die anhaltend solide Nachfrage für die Windows 2000 und Office Software ausgeglichen werden. Ebenfalls ordentliche Kurssprünge hat die Aktie von Ebay vollführt.

In der kommenden Woche geht die Ertragssaison in die nächste Runde. Mit Compaq, Disney, DuPont, Amazon stehen weitere Hochkaräter an, die den Markt in die eine oder eben die andere Richtung lenken können. Neben Quartalszahlen werden jedoch auch neue Konjunkturdaten bekannt gegeben. Zu den wichtigsten Veröffentlichungen gehören die Angaben über das Verbrauchervertrauen, die am Dienstag anstehen. Denn in den USA sind immer noch die Konsumenten die treibende Kraft für die Konjunktur.

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