Wonnemonat zählt zu den schlechtesten Aktienmonaten
Der Mai flößt Analysten keine Furcht ein

Schlechte Konjunkturdaten und der Irak-Krieg haben den üblichen Lauf an der Börse durcheinander gebracht. Deshalb könnte sich die Rally im Mai fortsetzen, auch wenn die Statistik dagegen spricht.

FRANKFURT/M. Landläufig gilt der Mai als Wonnemonat. Bei den Börsianern löst er jedoch jedes Jahr zwiespältige Gefühle aus. "Sell in may and go away" ist die angelsächsische Version eines langjährigen Phänomens, wonach im Mai die Kurse regelmäßig einbrechen (Tabelle). "Wenn der Spargel schießt, ducken sich die Aktienkurse", lautet die deutsche Version.

Doch diesmal soll es ganz anders kommen, prognostizieren die meisten Aktienstrategen. Die Kursrally, die dem Deutschen Aktienindex (Dax) seit den Tiefstständen vom 12. März bereits ein Plus von gut 35 % beschert hat, soll demnach auch den Wonnemonat über fortdauern. Der Grund: Zu unterschiedlich waren die Faktoren aus schwacher Konjunktur, Irak-Krieg und Rally an den Anleihemärkten, die seit Jahresanfang die Kurse belasteten, gegenüber den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte.

Gewöhnlich steigen die Aktienmärkte gerade zu Jahresbeginn, um dann im Mai etwas Luft zu holen. Weitere Gründe für einen Einbruch im Mai ist die Vielzahl an Unternehmensinformationen aus Quartalsbericht und Hauptversammlung, die auf die Aktionäre einströmt und die diese anschließend ihre Anlageentscheidung überdenken lässt.

An vier Bedingungen macht Gertrud Traud von der Bankgesellschaft Berlin ihren Optimismus fest, dass gerade der Mai 2003 an den Börsen besser laufen soll als im langjährigen Vergleich. Erstens spricht ihrer Meinung nach die immer noch sehr niedrige Bewertung für höhere Kurse, zweitens ist zweifellos sehr viel Liquidität am Markt vorhanden. Die dritte Bedingung - Stabilisierung der Erwartungen - ist allerdings weniger eindeutig. "Hier haben wir noch keine Verbesserung gesehen. Ich bin aber optimistisch, dass es nicht noch weiter nach unten gehen wird", sagt die Analystin. Positiv stimmt sie hingegen - vierte Bedingung - die zuletzt gesehene Kapitulation an den Aktienmärkten: "Das ist gewöhnlich ein gutes Zeichen." In der Summe seien all diese Effekte stärker als die saisonalen Einflüsse, die normalerweise im Mai auftreten. Unterstützung kommt zudem vom Ölpreis, der nach ihrer Ansicht in den kommenden Wochen weiter sinken wird. Indiz dafür war auch die jüngste Entscheidung der Opec-Länder, die offiziellen Förderquoten auszuweiten.

Ob die Kursrally allerdings auch den Juni über andauern wird, darauf will sich wegen der hohen Volatilitäten an den Aktienmärkten derzeit niemand festlegen. Schließlich treten dann wieder die zuletzt vernachlässigten Fundamentaldaten in den Vordergrund. "Dann kommt es zum Schwur", ist sich Werner Bader, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), sicher. Der Verlauf der Quartalssaison gibt zumindest bisher Anlass zur Hoffnung. In den USA hat beispielsweise weit mehr als die Hälfte aller im S&P 500 gelisteten Unternehmen in den letzten Wochen die Erwartungen der Analysten übertroffen, errechneten zuletzt die Analysten der Commerzbank. Allerdings sei die Erwartungshaltung dort wie auch in Europa bereits sehr niedrig gewesen, gibt Werner Bader zu bedenken.

Neben den Unternehmensdaten kommt es nach allgemeiner Einschätzung im Mai auch auf die Determinanten Konjunktur, Exportquote, Staatsausgaben und besonders auf die privaten Haushalte an. "Der private Verbrauch ist der wichtigste Nachfrageindikator und dient als Schlüsselgröße", heißt es in einer Studie der Commerzbank. Ein Anstieg des privaten Konsums ist derzeit aber noch nicht zu erkennen. Momentan gibt es lediglich von Exportseite positive Nachrichten.

Die zuletzt gesehenen hohen Schwankungen bei Einzelwerten - Hypo-Vereinsbank legte beispielsweise im April rund 75 % zu, bei MLP waren es etwa 60 % - dürften nach Einschätzung der Experten noch eine Weile anhalten, wenn auch nicht in dieser extremen Form. "Schwankungen von 20 bis 30 % im Monat werden auch bei Blue Chips immer mehr zum Trend", sagt Werner Bader. Dass der generelle Aufschwung am Aktienmarkt seit Mitte März schon wieder übertrieben ist, glaubt indes niemand. "Das behaupten bestenfalls diejenigen, die den Aufsprung verpasst haben", sagt Gertrud Traud.

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