Worauf man bei der Leistungsbeurteilung achten sollte: Negative Zeugnisse sind Chancenkiller

Worauf man bei der Leistungsbeurteilung achten sollte
Negative Zeugnisse sind Chancenkiller

Ein Arbeitnehmer, der aufgrund eines negativen Zeugnisses darauf hoffen muss, dass der potenzielle Arbeitgeber keine Alternative hat oder dass er ihm trotz seines negativen Zeugnisses eine Chance einräumt, ist bei seiner Arbeitsplatzwahl sehr eingeschränkt. Negative Zeugnisse sind zwar keine Karrierekiller, wohl aber Chancenkiller. Bauen Sie vor.

Die Bedeutung des Zeugnisses ist vermutlich im mittleren Management am höchsten. Viele Arbeitgeber verlangen einen lückenlos belegten Lebenslauf. Es ist daher eine existentielle Notwendigkeit, Zeugnisse zu verlangen und zu prüfen.

  • Verlangen Sie bei geeigneten Gelegenheiten ein Zwischenzeugnis. Diese werden meist wohlwollend formuliert. Von einem Zwischenzeugnis geht eine Bindungswirkung auf das Endzeugnis aus. Der Arbeitgeber kann beim Endzeugnis von einem guten Zwischenzeugnis, das zeitlich einen großen Teil des Arbeitsverhältnisses abdeckt, nur mit triftigem Grund abweichen. Wechseln Sie in ein anderes Unternehmen des gleichen Konzerns, haben Sie Anspruch auf ein Endzeugnis.
  • Nehmen Sie jedes Zeugnis sehr ernst. Auch wenn Sie glauben, dass Sie den Job fürs Leben gefunden haben und sich nie mehr bewerben wollen, sollten Sie das Zeugnis prüfen.
  • Fordern Sie bei einer Verhandlung über einen Aufhebungsvertrag ein positives Zeugnis. Handeln Sie den Wortlaut des Zeugnisses aus und machen Sie es als Anlage zum Bestandteil des Vertrages. Oder lassen Sie sich vor Unterschreiben des Aufhebungsvertrages ein Zwischenzeugnis ausstellen. Die bloße Vereinbarung, dass Sie ein qualifiziertes oder wohlwollendes Zeugnis erhalten, ist nichts wert. Diesen Anspruch haben Sie ohnehin. Außerdem dürfen Sie "wohlwollend" nicht mit "gute Beurteilung" verwechseln. Ein Arbeitgeber könnte Ihnen im Zeugnis mit wohlwollenden Formulierungen trotzdem eine unterdurchschnittliche Beurteilung geben.
  • Befürchten Sie ein ungünstiges Zeugnis, so sprechen Sie mit dem Aussteller. So signalisieren Sie, dass Sie das Zeugnis kritisch lesen werden. Dies bewegt den Aussteller vielleicht zu besonderer Sorgfalt und Vorsicht.
  • Legen Sie Ihrem Vorgesetzten zur Arbeitserleichterung einen mit fachkundiger Unterstützung erstellten Zeugnisentwurf vor. Oft wird diese Hilfe dankbar angenommen.
  • Es ist begrüßenswert, wenn Ihr Arbeitgeber seinen Zeugnisentwurf mit Ihnen durchspricht. Unterschreiben Sie aber keine Einverständniserklärung mit dem besprochenen Zeugnistext.
  • Vergleichen Sie jedes Zeugnis mit Ihren Zeugnissen von früheren Arbeitgebern. Vergleichen Sie das Zeugnis mit den Zeugnissen oder Zwischenzeugnissen von Kollegen. Gibt es im Unternehmen einen Beurteilungsbogen zur Erstellung von Zeugnissen oder ein System von Textbausteinen, so informieren Sie sich darüber.
  • Sie haben ein gesetzlich verbrieftes Recht darauf, dass die Beurteilung ihrer Leistung mit Ihnen erörtert wird. Erscheint Ihnen die Leistungsbeurteilung im Zeugnis unklar, fordern Sie Aufklärung und Begründung. Zu dem Gespräch können Sie den Betriebsrat hinzuziehen.
  • Haben Sie begründete Zweifel am Wohlwollen des Ausstellers, so lassen Sie Ihr Zeugnis umgehend von einem Zeugnisfachmann, einem Personalberater oder einem Fachanwalt für Arbeitsrecht begutachten.
  • Sind Sie unzufrieden, fordern Sie umgehend nach Empfang des Zeugnisses eine Ergänzung oder Berichtigung des Inhalts. Sonst verwirken Sie Ihren Anspruch auf Korrektur. Hierbei können Sie sich auf Versetzungs- und Beförderungsschreiben, auf interne Beurteilungen, auf Preise bei Wettbewerben, auf eine Leistungszulage, auf lobende Gehaltserhöhungsmitteilungen, auf dankende Jubiläumsurkunden oder Jubiläumsreden vor Zeugen, auf Belobigungen, auf Referenzschreiben und Dankschreiben, etwa zum Jahresende, stützen. Nach § 83 BetrVG haben Sie ein Recht auf Einsicht in Ihre Personalakte. Ein Hilfsargument kann auch sein, dass nicht alle Vorgesetzten, die Sie während des Arbeitsverhältnisses hatten, an der Beurteilung im Zeugnis mitgewirkt haben. Die Zeugnisbeurteilung muss nämlich das gesamte Arbeitsverhältnis und nicht nur seine Endphase betreffen.



    Bleibt Ihr Begehren auf Ergänzung oder Berichtigung erfolglos, so können Sie sich bei den zuständigen Stellen des Betriebs oder beim Betriebsrat beschweren. Ein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates beim Inhalt eines Einzelzeugnisses besteht aber nicht.


    Nutzt alles nichts, können Sie auf Zeugniserteilung oder-berichtigung klagen. Die Erfolgsaussichten sind relativ groß, da der Arbeitgeber beweisen muss, dass Sie Fehler gemacht haben und dass er Sie wegen dieser Fehler ermahnt oder abgemahnt hat. Viele Aussteller sind bei einer Klagedrohung zu Zugeständnissen bereit. Vor einer Klage sollten Sie jedoch unbedingt Rat bei einem Fachanwalt für Arbeitsrecht einholen. Bei einem guten oder sehr guten Zeugnis lohnt kein Streit um Details oder um den Austausch von wertungsgleichen Begriffen. Es ist nämlich auch wichtig, sich das Wohlwollen des Arbeitgebers oder des Vorgesetzten für spätere Referenzen zu erhalten.

Legen Sie schriftlichen Bewerbungen möglichst aktuelle Zwischenzeugnisse bei - neben den älteren Abschlusszeugnissen, die Aussagen enthalten, die für die avisierte Position wichtig sind. Aber geben Sie die Originale nicht aus der Hand. Es ist üblich, Zeugniskopien in die Bewerbungsmappe zu tun. Diese brauchen Sie nicht beglaubigen zu lassen. Wer Originale sehen möchte, wird Sie bitten, diese zum Gespräch mitzubringen.

Wenn Ihnen wegen eines verspäteten oder unrichtigen Zeugnisses eine Arbeitsstelle entgeht, können Sie einen Schadensersatzanspruch wegen einer Einkommenseinbuße geltend machen.

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