World Economic Forum
Indien buhlt um Investoren

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos rührt Indien kräftig die Werbetrommel. Dabei sind es nicht in erster Linie die billigen Arbeitskräfte, die die westlichen Konzerne anlocken sollen. "Die Inder sind besser ausgebildet und produktiver", sagt einer, der es wissen muss, und stellt den Europäern und US-Amerikanern damit ganz nebenbei ein miserables Zeugnis aus.

DAVOS. Es war Nandan Nilekani, einer der Mitbegründer des indischen Softwaredienstleisters Infosys, der einen eindrucksvollen Beleg für die Dynamik seines Landes erbrachte: 20 000 Mitarbeiter hat Infosys im vergangenen Jahr eingestellt. Das Unternehmen hat dabei jährlich die Wahl aus 1,5 Mill. Bewerbungen. 5000 Mitarbeiter kann die zweitgrößte Software-Schmiede des Landes gleichzeitig ausbilden. Und das reicht so gerade: Infosys hat die Zahl der Beschäftigten in der vergangenen Zeit alle zwei Jahre verdoppelt.

"Hinter den Diskussionen um die Auslagerung von Unternehmensfunktionen nach Indien verbirgt sich ein kleines Geheimnis", meint Tom Grocer, Chef des Informationsdienstleisters Reuters. Die Standardargumentation, dass Inder billiger seien als Arbeitskräfte in Westeuropa oder den USA, sei nur die halbe Wahrheit. "Fakt ist: Die Inder sind besser ausgebildet und produktiver", sagt Grocer. Reuters hat derzeit 1200 Beschäftigte in Indien, die sich unter anderem um hochkomplexe mathematische Analysen kümmern. Binnen 18 Monaten soll die Zahl Grocer zufolge auf 1 800 ansteigen.

Um solche Botschaften in der internationalen Geschäftswelt zu streuen, dreht Indien auf dem World Economic Forum das ganz große PR-Rad. Überall in dem Schweizer Wintersportort fordern Werbetafeln das Publikum auf: "Investieren Sie in der Demokratie mit dem weltweit größten Wachstum" - eine klare Kampfansage an China, den großen Konkurrenten im Wettbewerb um Investitionen und Marktanteile. Die Inder bestreiten einen wesentlichen Teil des Gala-Abends am Samstag, verteilen Präsente wie Pashminas ("Ein Geschenk vom Himalaya, um Sie in den Alpen zu wärmen") und schalten parallel dazu über mehrere Seiten Anzeigen im "Wall Street Journal". "India everywhere" ist das Motto; entsprechend groß und hochkarätig besetzt ist auch ihre Delegation, die sie in den Wintersportort entsandt haben: 80 Mitglieder, darunter mehrere Minister, sollen den in Davos versammelten Führern der Weltwirtschaft von den Erfolgen und Perspektiven Indiens berichten.

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