World Economic Forum
Wettbewerb um die besten Köpfe

Während im Westen immer mehr Jobs für niedrig qualifizierte Menschen gestrichen werden, entstehen in den aufstrebenden Volkswirtschaften Asiens Millionen von Arbeitsplätzen, für die eine gute Ausbildung erforderlich ist.

HB DAVOS. "Die Zahl der Stellen steigt in Indien jährlich um sieben Prozent. Die Zahl der qualifizierten Arbeitnehmer erhöht sich längst nicht in demselben Tempo. Das bedeutet, es wird immer schwieriger, die richtigen Personen an sein Unternehmen zu binden," sagt S. Ramadorai, der CEO des indischen IT-Konzerns Tata Consultancy Services.

In Davos machen zwei Stichworte die Runde: "Krieg um die Talente" und "Bildungsdefizit". Globale Konzerne und internationale Organisationen treten immer stärker über Ländergrenzen hinweg in Wettbewerb um die besten Köpfe. Aber trotz der hohen Arbeitslosigkeit in den Industrienationen werden viele Jobs nicht besetzt, weil sich kein Personal findet, das der Aufgabe gewachsen ist. "Dieses Phänomen wird nicht mehr nur in Europa und den USA beobachtet, sondern auch in Indien und China," sagt David Arkless, Vorstandsmitglied des Personalvermittlers Manpower. "Der Krieg um die Köpfe wird in den nächsten 10 Jahren zum erfolgskritischen Faktor."

Auch nach Einschätzung von Henning Kagermann, Vorstandschef von SAP, kann die Softwareschmiede ihr Wachstumstempo nur halten, wenn sie weltweit die besten Leute einstellt. "Deutschland ist eine Tochtergesellschaft wie andere auch", sagte er dem Handelsblatt. Angesichts der hohen Zuwachsraten aus dem Ausland könne man die internationalen Töchter nicht nur als verlängerte Werkbank der Walldorfer Zentrale betrachten. Rund 40 Prozent der 35 000 SAP-Beschäftigten arbeiten in Deutschland; der deutsche Anteil an den weltweiten Erlösen betrage aber nur 20 Prozent. "Umsatzanteil und der Anteil der Beschäftigten in Deutschland werden weiter zurückgehen", kündigte Kagermann an. Aber auch die Tatsache, dass SAP hierzulande weiter Personal aufbauen könne, liege wesentlich an der internationalen Arbeitsteilung.

Doch auf der anderen Seite der Bildungsskala wird die Luft dünner. Die Arbeitslosigkeit liegt in Euroland anhaltend bei neun Prozent, in den USA sind es fünf Prozent. Die Mehrzahl der Arbeitslosen sind Niedrigqualifizierte. Sie haben nichts davon, dass die global aufgestellten Unternehmen profitabler werden und Top-Leute suchen. Ben Verwaayen, CEO der BT (vormals British Telecom): "Immer weniger Menschen erkennen auf der Mikroebene den Gewinn, den die Globalisierung auf der Makroebene stiftet. Die wahre Revolution der Arbeitsplatzmobilität - und damit neue soziale Spannungen - stehe noch bevor: "Dank des breitbandigen Internets ist die physische Nähe des Arbeitnehmers zum Arbeitgeber nicht mehr notwendig." Das werde der Verlagerung von Tätigkeiten ins kostengünstigere Ausland Dynamik verleihen. Telearbeitsplätze ließen sich überall installieren, was Arbeitnehmer in Industrieländern weiter unter Druck setzen werde.

Das bestreitet der Arbeitsmarktexperte Jagdish Bhagwati von der Columbia University: "Das Gros der Arbeitsplätze entsteht in Indien oder China, weil dort gearbeitet wird während man anderswo schläft. Diese Länder nehmen uns keine Jobs weg, sie helfen unsere Jobs zu sichern."

David Arkless von Manpower rät, mit dem Mythos aufzuräumen, dass durch Offshoring Arbeitsplätze verloren gingen. In den nächsten fünf Jahren würden voraussichtlich vier Millionen Jobs verlagert. Zum Vergleich: Die Weltarbeitsbevölkerung beträgt laut der Internationalen Arbeitsorganisation ILO derzeit drei Milliarden.

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