World Economic Outlook
IWF: Talsohle durchschritten - Deutschland bremst

Schlechtes Zeugnis für Deutschland aus Dubai: Mit der Weltwirtschaft könnte es besser aussehen, wenn es nicht massive Probleme in Europa und vor allem in Deutschland gäbe. Die USA geht nach Ansicht des IWF in der Welt voran.

HB DUBAI. Die Aussichten auf einen Konjunkturaufschwung der Weltwirtschaft seien insgesamt so rosig wie seit langem nicht mehr, heißt es in der neuesten Weltwirtschaftsprognose (WEO) des IWF. Darüber hinaus hat der Chef-Volkswirt des IWF, Kenneth Rogoff, die Bedeutung des europäischen Stabilitätspaktes unterstrichen. Ohne dieses Abkommen würden einige EU-Staaten Mittel des IWF benötigen, sagte Rogoff

"Erstmals seit langer Zeit sind wir recht optimistisch, dass die Weltwirtschaft zu normalen Wachstumsraten oder sogar mehr zurückkehrt", sagte Rogoff am Donnerstag bei der WEO-Vorlage in Dubai. "Die meisten Europäer, die einen Aufschwung sehen wollen, müssen ihn aber wohl im Fernsehen verfolgen."

"Mit einer weniger wachstumsorientierten Politik in der Euro-Zone (als in den USA) und dadurch, dass die Region durch die anhaltenden Schwierigkeiten in Deutschland negativ beeinflusst wird, dürfte der Aufschwung dort verhalten vorangehen", heißt es in dem Bericht. "Die deutsche Wirtschaft bleibt im dritten Jahr in Folge schwach ... und bedroht damit die Aufschwungaussichten der Euro-Zone."

Die optimistische Einschätzung der Weltwirtschaftsentwicklung stützt der IWF weitgehend auf stärker als erwartetes Wachstum in den USA. Der IWF rechnet dort in diesem Jahr mit 2,6 % Wachstum und im nächsten Jahr mit 3,9 %, knapp einen halben Prozentpunkt mehr als im Frühjahr. Weltweit sei damit die Frühjahrserwartung von 3,2 % Wachstum in diesem und 4,1 % im nächsten Jahr einzuhalten. Für die Eurozone wurden die Prognosen dagegen nach unten korrigiert: auf 0,5 % (minus 0,6 %punkte) in diesem und 1,9 % (minus 0,4) im nächsten Jahr.

Deutschland ist das einzige große Industrieland der Welt, für das der IWF in diesem Jahr überhaupt kein Wachstum erwartet. Im nächsten Jahr hält der IWF 1,5 % für machbar, neben Japan (1,4 %) die bescheidendste Prognose überhaupt. Damit hat der Fonds seine Erwartungen für Deutschland im Vergleich zur Frühjahrsprognose um rund einen halben Prozentpunkt zurückgenommen.

Trotz optimistischerer Zukunftsperspektiven für die Weltwirtschaft warnt der IWF vor zahlreichen Risiken: ein starker Dollarverfall könne den Euro so teuer machen, dass die Wachstumspflänzchen in Europa im Keim ersticken. Die Europäische Zentralbank müsse dann zu weiteren Zinssenkungen bereit sein, forderte Rogoff. Mit einem schwächeren Dollar könne zwar das enorme Leistungsbilanzdefizit in den USA zurückgefahren werden. Doch könne dies die Binnennachfrage hemmen und damit die für die gesamte Weltwirtschaft wichtige Konjunkturlokomotive bremsen.

Der IWF fordert die USA nachdrücklich zu einer Strategie zum Defizitabbau auf. In Europa mahnt er weitere Strukturreformen an, vor allem auf den Arbeitsmärkten. "In praktisch allen Industrieländern sind Reformen von Rentenkassen und Gesundheitswesen unabdingbar, um dem Druck durch die alternde Bevölkerung gewachsen zu sein", heißt es in dem Bericht. Der IWF spricht sich für eine Erhöhung des Rentenalters aus.

Rogoff lobte mehrfach das Reformpaket "Agenda 2010" der Bundesregierung, das aber nur ein erster Schritt zu weiteren Reformen sein könne. Den Wachstums- und Stabilitätspakt der EU, der ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent vom Bruttoinlandsprodukt erlaubt, betrachtet Rogoff kritisch. In einer Währungsunion sehe er kaum Bedarf für einen Pakt zur Begrenzung des Defizits, sagte Rogoff, räumte aber ein, dass dies die Euro-Staaten zu einer willkommenen Disziplin zwingt. Der IWF hält das starre Festhalten an der Drei- Prozent-Grenze aber in schwachen Konjunkturphasen für falsch.

Der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Ken Rogoff, hat die Bedeutung des europäischen Wachstums- und Stabilitätspakts unterstrichen. Ohne dies Abkommen würden einige EU-Staaten Mittel des IWF benötigen, sagte Rogoff am Donnerstag vor der Presse in Dubai anlässlich der Vorstellung der neuen IWF-Wachstumsprognosen.

Die Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft ließ der IWF unverändert bei 3,2 (2002: 3,0) % für dieses Jahr und 4,1 % für 2004. Das schnelle Ende des Irak-Krieges, weltweit wieder anziehende Aktienmärkte und niedrige Zinsen in den Europa und den USA tragen nach Ansicht des IWF zu den etwas besseren Wachstumsaussichten für das zweite Halbjahr 2003 bei.

Rogoff bedauerte das Scheitern der Handelskonferenz im Rahmen der WTO im mexikanischen Cancun. Wenn es kein Wachstum im Handel gebe, werde sich das weltweite Wachstum abschwächen und die Armut zunehmen, sagte Rogoff weiter.

Die Anhebung der Wachstumsprognose für die USA auf 2,6 % in diesem und 3,9 % im nächsten Jahr bezeichnete Rogoff als "sehr realistisch". Das hohe US-Leistungsbilanzdefizit werde sich auf lange Sicht verringern und zu einem klaren Kursverfall des Dollar führen. "Eines Tages muss das US-Leistungsbilanzdefizit sich auflösen, und wenn es soweit ist, wird es einen deutlichen Kursverfall des Dollar geben."

Es sei noch zu früh zu sagen, die japanische Volkswirtschaft habe das Gröbsten überstanden, sagte Rogoff weiter. Der IWF hob seine Wachstumsprognose für Japan dennoch deutlich an auf 2,0 % in diesem Jahr und 1,4 % 2004 an.

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