Worldcom-Skandal schockiert
Schwarzer Mittwoch für Weltbörsen

Milliardenschwere Falschbuchungen bei der US-Telefongesellschaft Worldcom haben den Aktienmärkten weltweit einen schwarzen Mittwoch eingehandelt. Von New York über Tokio bis Europa gingen die Aktienmärkte auf eine rasante Talfahrt. Unterdessen nahm der Euro Kurs auf die Dollarparität.

dpa FRANKFURT. In der Spitze stieg der Kurs der Gemeinschaftswährung bis auf 0,9942 $ und lag damit nur noch knapp unter der zuletzt Anfang 2000 geltenden 1- $-Marke. In Frankfurt stürzte der Dax bereits wenige Minuten nach Handelsstart unter 4000 Punkte und markierte bei 3947 Zählern den tiefsten Stand seit September. Damit hat sich das Börsenbarometer seit seinem Höchststand im März 2000 bei 7960 Punkten nahezu halbiert.

Zuvor war bereits die asiatische Leitbörse in Tokio eingebrochen: Der Nikkei-Index stürzte um 4 % auf knapp 10 075 Punkte. Am Vortag hatten bereits die US-Aktienbörsen ihre lange Talfahrt fortgesetzt. Auch am Mittwoch starteten die Aktienmärkte in Nordamerika wie erwartet schwach: Der Dow Jones gab um 1,50 % auf 8990 Punkte nach. Die technologielastige Nasdaq verlor 2,44 % auf 1389 Zähler.

Der Dax fiel zuletzt am Nachmittag um 3,34 % auf 4062 Punkte. Noch dramatischer fielen die Verluste am Neuen Markt aus: Der Nemax 50 sank auf ein neues Rekordtief bei 547 Punkte. Der Index ist damit auf knapp 6 % seines Höchststandes vom März 2000 geschrumpft. Der Nemax 50 lag zuletzt bei 568 Zählern. An der Pariser Börse brach der CAC 40 auf 3561 Punkten ein - der tiefste Stand seit dreieinhalb Jahren. Am Nachmittag konnte sich der Index von seinen Tiefständen leicht erholen und verlor 3,2 % auf 3646 Punkte.

Der britische Leitindex FTSE 100 sank am Morgen auf ein neues Jahrestief bei 4443 Zähler und lag zuletzt bei 4 524 Punkten. Seit Februar 2000 verlor das Börsenbarometer damit mehr als 30 %. Auch die Aktienmärkte in Mailand, Madrid und in Amsterdam standen tief im roten Bereich. "Worldcom gehört nicht gerade zu den kleinsten Werten", sagte Marktstratege Robert Halver von der Schweizer Privatbank Vontobel. Daher sei der Vertrauensschwund bei den Anlegern nun besonders hoch. "Die Bilanzen jedes Unternehmens aus der Telekommunikation, Technologie und Medien werden jetzt grundsätzlich hinterfragt - auch wenn dies unbegründet ist." Ermutigende Konjunkturdaten würden hingegen ignoriert. Eine kurzfristige Erholung ist nach Meinung von Halver nicht in Sicht - zu tief sitze der Schock.

Der Chefökonom der Londoner Großbank HSBC, Stephen King, prognostizierte in einen Interview mit "Börse Online", die Anleger müssten sich auch langfristig von den hohen Kursgewinnen der 90er Jahre verabschieden. Damals seien in puncto Unternehmensgewinne Erwartungen aufgebaut worden, die nicht zu erfüllen seien. Die Kursverluste zogen sich wie ein roter Faden durch alle Branchen. Besonders betroffen vom Kursverfall waren Telekom -, Technologie- und Medienwerte.

Zu Worldcom kamen noch schwache Zahlen des Chipherstellers Micron und eine Gewinnwarnung des französischen Telekom-Ausrüsters Alcatel. Dessen Aktien verloren innerhalb weniger Minuten ein Fünftel an Wert und fielen auf 7,50 ?. Zuletzt verbilligten sie sich um 14,87 % auf 7,96 ?.

Das Papier des Chipherstellers Infineon verlor im Dax 10,5 % auf 14,36 ?. Die T-Aktie fiel am Morgen auf ein Rekordtief bei 8,14 ? und verbilligte sich zuletzt um 8,4 % auf 8,37 ?. Die France Télécom-Aktie stürzte in Paris um 14,3 % auf 9,19 ?. Das Papier des französischen Medienunternehmens Vivendi Universal fiel um 9,7 % auf 17,99 ?. Zuletzt notierte das Papier mit 18,95 ?.

Unter Worldcom litten europaweit auch die Finanztitel. Das Papier des Investmenthauses Schroders verlor in London 3,1 % auf 535 Pence. Fortis büßte in Amsterdam knapp 3 % auf gut 20,23 ? ein. In Frankfurt fiel die MLP-Aktie 9,19 % auf 26,79 ?. Der Heidelberger Finanzdienstleister war in der jüngsten Vergangenheit selbst wegen angeblicher Bilanztricks in die Schlagzeilen geraten.

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