WorldCom und Xerox nur der Gipfel des Eisberges
US-Unternehmensskandale ufern immer stärker aus

Die USA erleben in den letzten Wochen und Monaten eine beispiellose Buchführungs- und Unternehmerbetrugs-Skandalwelle. Sie hat die Wall Street und die Weltbörsen enorm unter Druck gesetzt und hat die Anleger Hunderte von Milliarden Dollar gekostet.

dpa NEW YORK. Der Telekomriese WorldCom hat einen massiven Buchführungsbetrug begangen. Das Unternehmen hat durch Falschbuchungen in Höhe von 3,85 Milliarden Dollar Verluste seit Anfang letzten Jahres in Gewinne verwandelt.

Der weltgrößte Kopiergerätehersteller Xerox hat seine Umsätze für den Fünfjahreszeitraum 1997 bis 2001 nach eigenen Angaben nach einer neuen Überprüfung seiner Bücher um 1,9 Milliarden Dollar nach unten revidiert.

Der Skandalreigen hatte so richtig mit der Pleite des Energiehändlers Enron im Dezember 2001 begonnen. Dem Enron-Skandal ist auch der Enron-Wirtschaftsprüfer Andersen zum Opfer gefallen. Der Mischkonzern Tyco International, die Biotechnologiefirma ImClone, die Telekomgesellschaft Global Crossing, das Energieunternehmen Dynegy, die Investmentbank Merrill Lynch und dutzende anderer großer US-Unternehmen sind ins Visier der amerikanischen Wertpapier- und Börsenkommission SEC geraten.

Ex-Tyco-Chef Dennis Kozlowski soll beim Gemäldekauf Verkaufssteuer-Hinterziehung begangen haben. Dem ehemaligen Chef der Biotechnologiefirma ImClone, Samuel Waksal, und Martha Stewart, einer prominenten US-Unternehmerin und Haus- und Gartenshow-Moderatorin, werden Insiderhandel vorgeworfen.

US-Finanzminister Paul O'Neill nannte das Verhalten prominenter Unternehmer "schändlich". Er verlangt, dass sie zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Anleger sind total verunsichert. "Die Leute glauben, dass sie betrogen worden sind", erklärte Charles White, der Präsident der Avatar Associates der US-Wirtschaftsagentur "Bloomberg". Der Gesamtwert der amerikanischen Aktien ist in diesem Jahr um 1,5 Billionen Dollar eingebrochen.

Die Telekomgesellschaft Global Crossing hatte im Januar Gläubigerschutz beantragt. Global Crossing soll angeblich seine Umsätze durch Kapazitäts-Tausch mit anderen Telekomfirmen künstlich gesteigert haben. Der Enron-Hauptkonkurrent Dynegy soll seine Handelsumsätze ebenfalls künstlich aufgebläht haben.

Die Riga-Familie, der Großaktionär der bankrotten sechstgrößten US-Kabelfernseh-Firma Adelphia, soll sich sich mit Krediten und Kreditbürgschaften von 3,1 Milliarden Dollar bei dem Unternehmen bedient haben.

Merrill Lynch, die größte US-Brokerfirma, zahlt im Rahmen eines Vergleichs mit dem New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer 100 Millionen Dollar. Merrill-Analysten hatten bestimmte Aktien hausintern schlecht gemacht und sie dann den Kunden trotzdem empfohlen.

Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC, der Kongress, Politiker beider Parteien, die Staatsanwaltschaften und andere US-Aufsichtsbehörden sind momentan auf der Suche nach den Schuldigen. Die Unternehmensskandale sind zum Politikum geworden.

Die Demokraten werfen dem republikanischen Präsidenten George W. Bush und den Republikanern ein zu inniges Verhältnis zu den Großkonzernen vor. Es dürfte in absehbarer Zeit neue administrative und gesetzliche Überwachungsvorschriften geben, um Buchführungsbetrug, Insiderhandel, anrüchige Wertpapieranalysen und andere dubiose Geschäftsmethoden zu erschweren.

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