Worst-Case-Szenario des Pentagons
Atomkrieg im Kashmir könnte zwölf Millionen Tote bedeuten

Bei einem unbegrenzten Atomkrieg zwischen Indien und Pakistan könnten nach Schätzungen der US-Regierung unmittelbar zwischen neun und zwölf Millionen Menschen ums Leben kommen.

dpa WASHINGTON/BERLIN/LONDON/NEU DELHI. Weitere zwei bis fünf Millionen Menschen würden verletzt, berichteten US-Medien am Freitag unter Berufung auf ein vergangene Woche fertig gestelltes Pentagon-Papier. Darin hätten die Verteidigungsexperten den schlimmsten Fall angenommen: dass beide Länder alle ihre Atomwaffen einsetzen und die ins Fadenkreuz genommenen Ziele voll treffen.

Angesichts der wachsenden indisch-pakistanischen Spannungen um Kaschmir drängen die USA, Großbritannien und Deutschland ihre Staatsbürger in Indien zum Verlassen des Landes. "Die Spannungen haben ein ernstes Ausmaß erreicht, und das Risiko von verstärkten militärischen Feindseligkeiten zwischen Indien und Pakistan wird nicht ausgeschlossen", hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums in Washington. Das State Department erteilte am Freitag außerdem allem nicht unbedingt notwendigen Botschaftspersonal und Familienangehörigen die Genehmigung zur Abreise auf freiwilliger Basis.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet allen Deutschen in Indien, deren dortige Anwesenheit nicht zwingend erforderlich ist, ihre Ausreise in Erwägung zu ziehen. Alle nicht aufschiebbaren Reisen nach Indien sollten zurückgestellt werden. Den Angehörigen der entsandten Mitarbeiter deutscher Auslandsvertretungen in Indien wurde ebenfalls die Ausreise empfohlen. Die Arbeit der Botschaft in Neu Delhi und der Generalkonsulate sei davon aber nicht berührt, teilte das AA mit.

Diplomatisches Personal verringern

In Indien leben schätzungsweise 60 000 amerikanische und 20 000 britische Staatsbürger. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Regierung in London die etwa 700 Briten in Pakistan zum Verlassen des Landes aufgefordert. Damals war die Gefahr von Terroranschlägen offiziell als Grund genannt worden.

Deutschland, Frankreich und andere EU-Staaten hatten angekündigt, ihr diplomatisches Personal in Pakistan zu verringern und Familienangehörigen die Möglichkeit zur Ausreise zu geben. Die USA hatten bereits im März nicht notwendiges Botschaftspersonal und Angehörige von Diplomaten in Pakistan zur Abreise "aufgefordert".

In den USA ist die "Genehmigung" für Botschaftspersonal zum Verlassen des Landes die unterste Stufe in einer Serie von Maßnahmen, die in Krisenfällen vorgesehen sind. Amerikaner, die in Indien bleiben, werden aufgerufen, Reisen in Grenzgebiete zu vermeiden.

Subversion geht angeblich weiter

Indische Militärs beschuldigten Pakistan am Freitag erneut, nach wie vor Moslemextremisten beim Einsickern über die Teilungslinie in Kaschmir zu helfen. Indien hatte Pakistan einen Krieg für den Fall angedroht, dass die Subversion nicht stoppe. Am Freitag kam es erneut zu Artilleriegefechten zwischen Truppen beider Länder.

US-Außenminister Colin Powell warf Pakistans Militärmachthaber Pervez Musharraf Wortbruch im Kaschmir-Konflikt vor. "Wir bekamen Zusicherungen von Präsident Musharraf, dass das Einsickern über die Teilungslinie beendet würde, aber unglücklicherweise können wir immer noch Beweise sehen, dass es weiterging", sagte Powell im US-Sender PBS.

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