Wozu braucht ein Allfinanzkonzern das Investment Banking?
Der Allianz fehlt die Strategie

Schlechtes Geld verdrängt gutes Geld - das wussten die Bankiers der alten Zeit. Bei modernen Unternehmen gibt es ein ähnliches Phänomen: Wenn man einen Starken und einen Schwachen zusammenschließt, dann bleibt am Ende ein Schwacher übrig.

DÜSSELDORF. Am Finanzplatz München hat man Erfahrung mit diesem Phänomen. Es gab dort einmal eine kerngesunde Bayerische Vereinsbank. Vor knapp vier Jahren schluckte sie die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank und es wurde die Hypo-Vereinsbank daraus. Seitdem schlingert das neu geschaffene Schlachtschiff und hat Mühe, auf klaren Kurs zu kommen.

Die Allianz, die als Großaktionär den Münchener Bankendeal damals abgenickt hat, läuft Gefahr, in ähnlicher Weise vom Kurs abzudriften. Bis vor gut einem Jahr handelte es sich um einen kerngesunden Versicherungskonzern, der nichts anderes sein wollte als ein Versicherungskonzern. Von der Struktur der Kapitalanlage steht dieser Versicherer weitaus besser da als viele Konkurrenten, die wegen der Börsenbaisse mit dem Rücken zur Wand stehen. Bei der Übernahme anderer Versicherer, siehe die französische AGF, hatte die Allianz eine glückliche Hand - sie passten ins Konzept. Doch vor einem Jahr übernahm sie die Dresdner Bank. Allianz = Allfinanz lautet seitdem die Gleichung. Aber welche Strategie sich dahinter verbirgt, bleibt ein Rätsel.

Allfinanz ist in der Theorie eine wunderbare Idee: Man verkauft Bank- und Versicherungsprodukte aus einer Hand und steigert so die Effizienz im Vertrieb. Konkurrenten wie ING und Fortis betreiben das mit einigem Erfolg, haben der Allianz allerdings gleich vorausgesagt, dass die Umsetzung sehr schwierig ist. Credit Suisse ist als Zusammenschluss einer Bank (Schweizerische Kreditanstalt) mit einer Versicherung (Winterthur) ein abschreckenden Beispiel. Die amerikanische Citigroup hat mit Travelers zwar auch einen starken Versicherungsbereich übernommen, aber anschließend klar sortiert: Der Bereich Sachversicherungen wurde ausgegliedert und an die Börse gebracht, es bleibt letztlich ein Bankkonzern.

Bei der Allianz ist von Klarheit zurzeit wenig zu spüren. Im Grunde hat sie die Dresdner Bank so gelassen, wie sie ist. Aber wozu braucht ein Allfinanzkonzern Firmenkredite und Investment Banking? Bis vor kurzem hieß es noch, man sei glücklich mit der Übernahme - die ja angeblich, weil sie über die Aufdeckung stiller Reserven finanziert wurde, gar nicht viel gekostet hat. Dann wurde vorgestern kurz vor Börsenschluss - ein merkwürdiges Timing - die Schockmeldung veröffentlicht, dass die Erträge wegbrechen. Und gestern verkündete die Dresdner Bank selbst, es werde zwar kräftig gespart, aber am Geschäftsmodell ändere sich nichts.

Ja, was denn nun? Die Allianz hat wahrscheinlich die Dresdner Bank gerettet. Jetzt muss sie sich selbst vor einem drastischen Vertrauensverlust retten - und dazu gehört, dass wieder eine klare Strategie erkennbar wird.

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