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Wozu gibt es eigentlich noch Banken?

Paybox, Paysafe und nun Anypay. Der Markt für Anbieter von Zahlungssystemen im Internet wird um einen Wettbewerber erweitert.

Wozu gibt es eigentlich noch Banken? Schließlich gibt es doch Anypay. Wiedereinmal soll das Bezahlen im Internet revolutioniert werden. Nach den vielen gescheiterten Versuchen, darunter Konzepte wie E-Cash mit der Deutschen Bank im Rücken, wagt nur die Firma Anypay einen weiteren Anlauf. In Zukunft werden Überweisungen einfach per E-Mail verschickt. "You´ve got cash!" heißt es dann beim Empfänger.

Über ein Anypay-Konto als Verrechnungsstelle soll die Zahlung für im Internet erworbene Waren und Dienstleistungen direkt von einer Webseite aus erfolgen. Die Theorie: Um Geld zu verschicken genügt es, von einer Partnerseite, z.B. einem Auktionshaus, eine Mail mit dem gewünschten Betrag zu verschicken und in Lichtgeschwindigkeit wird die Summe auf dem Anypay-Konto gutgeschrieben. Von diesem Konto kann das Geld nun erneut für Zahlungen verschickt oder auf ein Bankkonto überwiesen werden. Registrierte Nutzer können auch untereinander Geld hin und her schicken. Wer also demnächst ungesehen seine Mails löscht, könnte einen großen Fehler begehen, wenn sich unter hunderten nutzlosen Briefen doch ein Wertbrief von Anypay befand.

Idee kommt aus den USA

Die Idee klingt so einleuchtend, dass sie eigentlich nur eine Kopie eines in den USA bereits erfolgreichen Geschäftsmodells sein kann. Und in der Tat: Die US-Firma Paypal hat bereits mehr als 10 Millionen registrierte Nutzer und kooperiert mit E-bay, dem bekanntesten Online-Auktionator der Welt.

Daran möchten die Gründer aus dem hessischen Rödermark anschließen. Anfang November ist ihr Dienst ans Netz gegangen. Besser gesagt: Die Idee wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Denn nutzen lässt sich der Dienst kaum. Zahlungen zwischen Privatpersonen (P2P-Payment) sind noch nicht möglich, Anypay mangelt es nach eigenen Angaben noch an der Banklizenz. Und große Onlineshops als Kooperationspartner, die diese Zahlungsfunktion anbieten, gibt es hierzulande auch noch nicht.

Die schwammigen Angaben zum Sicherheitskonzept und die Haftungsausschlüsse in den Allgemeinen Geschäftsbedingen werden wohl ebenfalls dazu führen, dass Anypay nicht übernacht ein Erfolg wird. Ganz konsequent haben Kunden, die das Dreimannunternehmen erreichen möchten, nur einen Kommunikationskanal: E-mail. Sicherlich für einen zukünftigen Anbieter von Bankdienstleistungen etwas wenig, zumal auch die Telefonauskunft der auf der Homepage angegebenen Kontaktadresse keine Telefonnummer zuordnen kann.

Es geht den Gründern um Geschäftsführer Marcus Gabler wohl eher darum einen starken Partner zu finden, mit dem sich dieses Zahlungssystem als Standard durchsetzen ließe. Gabler ist überzeugt, das die deutsche Kreditwirtschaft ein weiteres Mal eine Chance verschläft, ein dem Internet angemessenes Zahlungssystem zu etablieren. Aber vielleicht hat die Deutsche Bank ja doch Lust auf ein neues Abenteuer, womit die Frage, warum es eigentlich im Internetzeitalter noch Banken gibt, auch beantwortet wäre.

Im Internet:

www.anypay.de - neuer Anbieter aus Deutschland

www.paypal.com - Anypay-Vorbild aus den USA

www.paybox.de - bietet Bezahlen mit dem Handy

www.paysafecard.com - Bezahlen im Internet per Prepaid- Card

Schreiben Sie dem Autor: j.endert@vhb.de

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