Wrocklage tritt zurück
SPD-Chef soll Hamburger Innensenator werden

Neuer Hamburger Innensenator soll SPD-Landeschef Olaf Scholz werden. Der 43-jährige Bundestagsabgeordnete soll bei einer gemeinsamen Sitzung von SPD-Landesvorstand und Bürgerschaftsfraktion vorgeschlagen und am späten Nachmittag von Bürgermeister Ortwin Runde ernannt werden, bestätigten SPD-Kreise.

ap/dpa HAMBURG. Innensenator Hartmuth Wrocklage war am Vormittag nach wochenlanger Kritik an seiner Amtsführung zurückgetreten. Als Begründung für diesen Schritt nannte der SPD-Politiker am Montag das gegen ihn gerichtete Meinungsklima in der Hansestadt. Wrocklage war in den vergangenen Wochen vor allem wegen angeblicher Parteibuchwirtschaft bei der Polizei in die Kritik geraten.

Bürgermeister Ortwin Runde dankte dem scheidenden Innensenator "für seine ungeheure Arbeitsdisziplin, sein großes Engagement und seinen enormen persönlichen Einsatz". Sein Rücktrittsgesuch habe er nach der "ungewöhnlichen - auch persönlich verletzenden - Schärfe der Diskussion der zurückliegenden Wochen" angenommen.

Wrocklage spricht von "verzerrter Darstellung"

Wrocklage machte für seinen Rücktritt vor allem die Presse verantwortlich. "In unserer Stadt ist ein Meinungsklima entstanden und in den letzten Wochen genährt worden, das durch eine Melange aus verständlicher Kritik, aber eben auch aus falschen Informationen und verzerrter Darstellung sowie durch Emotionalisierung und Personalisierung zu einem Feindbild geführt hat, das sich nicht nur an meiner Funktion als Innensenator, sondern auch an mir als Privatperson festmacht", erklärte er.

"Das entstandene Feindbild verstellt den Blick auf die Erfolge - nicht nur der Innenbehörde - sondern darüber hinaus auf die Erfolge der Senatsarbeit insgesamt", dies könne er nicht zulassen. "Ich muss sagen, dass ich als Person auch den jüngsten Anwürfen, von denen ich weiß, dass sie falsch und konstruiert sind, getrotzt hätte", betonte der zurückgetretene Innensenator. Er sei auf den Wahlkampf gut vorbereitet gewesen.

Noch am Wochenende hatte Wrocklage, der der Innenbehörde seit 1994 vorstand, die Rücktrittsforderungen der oppositionellen CDU zurückgewiesen. Außerdem hatte er in einer Mitteilung gedroht, juristisch gegen die Presse und deren Anwürfe vorzugehen. Auslöser der Affäre war die angekündigte Versetzung des Leiters der Polizei-Pressestelle an die Spitze eines Polizeireviers, was von Hamburger Medien als Verbannung und Abstrafung eines kritikfähigen Polizeiführers ohne SPD-Parteibuch gewertet worden war.

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