WTO-Beitritt öffnet internationaler Konkurrenz die Tür
Chinas Finanzbranche am Scheideweg

Mit dem Beitritt Chinas in die Welthandelsorganisation (WTO) steht der Finanzsektor des Landes vor einem grundlegenden Wandel. Langfristig versprechen Chinas Kredit-, Wertpapier-, und Fondsmanagement-Märkte ein sattes Wachstum, und die ersten Banker aus dem Westen sehen sich in dem Land bereits nach Partnern um.

HB HONGKONG. Dabei sind die meisten Durchführungsbestimmungen, die den Bankensektor dem Wettbewerb öffnen, noch unklar. Im Detail bleibt viel Spielraum für Protektionismus.

In einigen Bereichen zeichnen sich allerdings bereits konkrete Erleichterungen ab: So können ausländische Banken nun an den Börsen in Schanghai und Shenzhen auf harte Währung lautende B-Aktien handeln und in einigen Großstädten fällt das Verbot für das Devisengeschäft mit Einheimischen. Schrittweise werden die Institute in das Geschäft mit der lokalen Währung Renminbi vorgelassen, bis ihnen 2007 der Markt ganz offen steht.

"Das Privatkundengeschäft mit Devisen ist attraktiv", erklärt Steven Xu. Der Chefvolkswirt für Asien der Société Générale sieht für westliche Banken "viel Platz zum Wachsen". Chinesen sitzen auf rund 65 Mrd. $ ersparten Devisen, und der anhaltende Exportboom dürfte die Liquidität weiter steigen lassen. Xu erwartet, dass Ausländer in fünf Jahren 20 % des Einlagengeschäfts mit Auslandswährungen in China kontrollieren und 30 % des Kreditgeschäfts. Derzeit kommen die 177 Auslandsinstitute auf 5 %.

Maßnahmen zum Schutz der Banken

Allerdings knobeln Bürokraten bereits an Maßnahmen zum Schutz der einheimischen Banken: So gibt es Überlegungen, den Kapitaltransfer zu beschränken, mit dem westliche Banken ihr China-Geschäft aus Übersee finanzieren dürfen. Das würde die Expansion erheblich erschweren. Die Banken-Arbeitsgruppe der Europäischen Handelskammer in Peking hat die im WTO-Protokoll vereinbarten Maßnahmen zur Marktöffnung gerade als unzureichend gebrandmarkt. Die Öffnung könne sich als zu langsam erweisen angesichts der "sehr begrenzten Möglichkeiten für profitable Geschäfte in China, die zusätzlich belastet sind durch ungewöhnlich hohe bürokratische Hürden", heißt es in einem Report.

Doch ganz ohne Protektion stünden Chinas Banken mit dem Rücken zur Wand. Nach 50 Jahren Planwirtschaft, in denen sie als Melkkühe der Staatskonzerne missbraucht wurden, ächzen sie unter faulen Krediten; für die Rating- Agentur Fitch gelten die meisten als technisch insolvent. Außerdem ist die Transparenz der Institute minimal, das Risikomanagement unterentwickelt. Kontrollmechanismen sind kaum vorhanden. Das schreckt westliche Konzerne nicht ab. Die Bank of East Asia und HSBC sondieren den Erwerb von Anteilen; Hongkonger Zeitungen zufolge redet Citicorp mit der Bank of Communications. Die Vorhut bildet die Weltbank-Tochter International Finance Corp. Sie besitzt u.a. 5 % an der Bank of Shanghai und hat gerade 27 Mill. $ in einen 15 %-Anteil an der Nanjing City Commercial Bank investiert. Außerdem will sie 2 % an der Mingsheng Bank übernehmen.

Um im Wettbewerb zu bestehen, hat bereits ein halbes Dutzend chinesischer Banken Interesse an Auslandspartnern bekundet, die sie technisch und fachlich auf die Höhe der Zeit bringen sollen. Die Ausländer buhlen derzeit aber intensiver um Chinas Wertpapierhäuser. Die überschäumenden Aktienmärkte versprechen Trading-Einnahmen, die Flut von Börsengängen Kommissionen beim Investmentbanking. Der zweitgrößte Broker des Landes, Guotai Junan, verhandelt nach eigenen Angaben mit verschiedenen ausländischen Investmentbanken, das selbe gilt für die Nummer vier des Landes, China Securities. Die Nase vorn hat Morgan Stanley. Die Amerikaner betreiben mit der China Construction Bank seit Jahren die China International Capital Corp., die an den meisten großen Börsengängen beteiligt ist.

Als Perle gilt vielen Bankern Chinas blutjunge Asset-Management- Branche. Allianz, Commerzbank, AIG, Invesco, Fleming, Schroder, ABN Amro, ING und viele andere haben bereits Joint-Venture-Partner und schulen Personal für einen Einstieg in den Markt. Doch es erweist sich als Kärrnerarbeit, in Chinas von Korruptionsskandalen geschüttelter, erst wenige Jahre alter Fondsindustrie westliche Standards einzuführen. "Wir stoßen auf Kenntnisbarrieren", sagt Pieter von Putten, Chef des Commerzbank-Asset-Managements in Asien. Dennoch hofft er, dass das Gemeinschaftsunternehmen, das seine Bank mit China Southern Securities vorbereitet, im Sommer eine Fonds-Lizenz erhält.

14 Joint Ventures sind derzeit in Vorbereitung, nicht alle dürften Grünes Licht erhalten. Von Putten weiß um die Fallstricke, die auf ihn warten. "Trotzdem hofft jeder, in der ersten Runde mit dabei zu sein", sagt er.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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