Würzburg
Der Weg vom Weinfass zum Wissenschaftsstandort

Anfang der neunziger Jahre wurde die Sache dem Professor zu bunt: Immer und immer wieder hatte der Würzburger Wirtschaftsinformatiker Rainer Thome seine besten Studenten nach dem Diplom oder der Promotion an die Privatwirtschaft verloren - und mit ihnen jede Menge Spitzen-Know-how aus der Forschung. Das war Thome leid, und zwar komplett.

WÜRZBURG. Er gründete, um junge Wissenschaftler zu halten, 1994 selbst eine Firma - die Ibis Prof. Thome AG, die Spezialsoftware für Unternehmen entwickelt. Dieser Schritt war die Initialzündung für einen regelrechten Gründerwettlauf am Lehrstuhl Thome. Bis heute sind im Dunstkreis des Hochschulbeamten ein gutes halbes Dutzend Start-ups entstanden, an denen er oft selbst finanziell beteiligt ist.

Es sind Menschen wie Rainer Thome, denen die 130 000-Einwohner-Stadt Würzburg wirtschaftlich viel zu verdanken hat. Die Wissenschaftler an der vor 422 Jahren gegründeten Julius-Maximilians- Universität sind der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor - zusammen mit ihren Kollegen von der Fachhochschule und außer-universitären Forschungseinrichtungen wie dem Fraunhofer Institut für Silicatforschung und dem Süddeutschen Kunststoffzentrum.

Dank der geballten Foschungskompetenz, die in einigen naturwissenschaftlichen Disziplinen zur Weltspitze gehört, steht die unterfränkische Mittelstadt deutlich besser da als die meisten vergleichbaren deutschen Städte. Im Zukunftsatlas 2004, dem umfassenden Standort-Ranking für alle 439 Städte und Landkreise von Prognos und Handelsblatt, schafft es die Stadt auf Platz 33. "In Würzburg funktioniert der Transfer zwischen der wissenschaftlichen Forschung und den Unternehmen vorbildlich - davon profitiert die Stadt wirtschaftlich enorm", sagt Peter Kaiser, Regionalexperte von Prognos. Immer häufiger machen sich Würzburger Forscher selbstständig, um mit ihren Ideen und Erkenntnissen Geld zu verdienen. Zum Beispiel mit der B.I.S. AG, die Börsensoftware entwickelt; mit der Vasopharm Biotech GmbH, die nach Frühwarnsystemen für Herzerkrankungen sucht, und mit der Innowep GmbH, die hochauflösende Prüfgeräte für neue Materialien herstellt.

Mit 10 000 Beschäftigten ist die Universität selbst der mit Abstand größte Arbeitgeber. Bedeutende Industrieunternehmen muss man mit der Lupe suchen - eine der wenigen Ausnahmen ist der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer, der mit 2 200 Beschäftigten größte private Arbeitgeber. Fast 80 Prozent aller Würzburger arbeiten im Dienstleistungssektor, im Bundesdurchschnitt sind es nur 64 Prozent.

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