Wulff lässt sich scheiden
Politische Privatsphäre

Eigentlich ist Privatsache Privatsache. Und Politik ist Politik. Manchmal aber kommt der Moment im Leben eines Politikers, in dem Privatangelegenheiten schnell politisch werden. Am Pfingstmontag war es auch bei Christian Wulff so weit.

BERLIN. Gerade tobte in Berlin der Streit über die Rolle der Ministerpräsidenten in der Bundespolitik, da veröffentlichten Wulff und seine Frau Christiane eine knappe gemeinsame Erklärung. Nach 18 Jahren erklärten die beiden ihre Ehe für gescheitert. Am Dienstagmorgen berichtete die "Bild"-Zeitung ausführlich mit einigen exklusiven Aussagen des niedersächsischen Ministerpräsidenten und einem Bild seiner neuen Freundin, einer allein erziehenden, berufstätigen 32-jährigen Mutter aus Hannover.

Eine politische Note hat der sehr persönliche Vorgang, weil gerade Wulff seit langem als makelloser Modellpolitiker der Union gilt. Mit seinem Image des netten Schwiegersohns, der Familienidylle mit Frau und Tochter wirkte er auf der niedersächsischen politischen Bühne wie ein Gegenentwurf zu seinem langjährigen SPD-Rivalen Gerhard Schröder. Ein Anti-Schröder, der im Wahlkampf 1998 schon mal betonte, dass "Vertrauen und Verlässlichkeit, ob in der Politik oder Ehe, nicht altmodisch sind und auf Dauer wichtiger als Sex und Glamour".

Das war als deutlicher Hinweis auf den damals gerade in der vierten Scheidung verfangenen Schröder gedacht. Dessen persönliche Unstetigkeit spießten andere CDU-Politiker damals genüsslich, aber wenig erfolgreich auf. Häme prasselte auf Schröder auch deshalb nieder, weil er seine Ehe mit "Hillu" lange und offensiv als Modell einer modernen Beziehung nach außen präsentiert hatte.

Auch Wulff stand von Anfang an unter dem Druck, mehr persönliche Facetten in der Öffentlichkeit zu zeigen. Auch er lebte eine Vorzeigeehe, allerdings für konservative Kreise. Im Juni 2005 etwa betonte er in einer Homestory mit dem Titel "Pferde, Lagerfeuer und Kuscheln", wie er trotz seiner knappen Zeit versuche, ein guter Vater zu sein und sich um die Tochter zu kümmern.

Seite 1:

Politische Privatsphäre

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%