Wunschkandidat des Verbandes
Italiens neuer Trainer setzt auf alte Spieler

Marcello Lippi kann auf eine erfolgreiche Karriere als Vereinstrainer zurückblicken. Jetzt muß er sich auch bei der Nationalmannschaft beweisen.
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ROM. Der alte Fußballstratege Giovanni Trapattoni hat abgedankt, es lebe der neue: Marcello Lippi. Kaum hat Italien das Ausscheiden in der Vorrunde der Europameisterschaft verarbeitet, haben die Verbandsoberen den 56 Jahre alten Lippi schon zum Nationaltrainer gekürt. Der graumelierte Lippi, der in der vergangenen Saison Juventus Turin trainierte, erhält nun vom italienischen Fußballverband einen Zweijahresvertrag und ein Nettojahresgehalt von einer Million Euro. Lippi soll damit angeblich deutlich mehr verdienen als sein Vorgänger Trapattoni, dessen Vertrag nach der EM ausgelaufen wäre.

Der Trainerwechsel konnte so schnell vonstatten gehen, weil sich die Verbandsfunktionäre schon vor dem Turnier Gedanken gemacht hatten. Indirekt hat auch Lippi das bestätigt: "Es herrschte Klarheit darüber, ein Gefühl meinerseits, dass ich diese Chance bekommen würde, wenn die Dinge bei der Europameisterschaft einen gewissen Lauf nehmen würden." Das Rücktrittsangebot von Verbandspräsident Franco Carraro ist inzwischen vom Präsidium abgelehnt worden.

Lippi war der Wunschkandidat des Verbandes. Der aus Viareggio stammende Toskaner hält eisern an seinem 4-4-2-System fest und setzt auf altbewährte Methoden. Er bläut seinen Spielern eiserne Disziplin ein. Am jetzigen Kader will Marcello Lippi jedoch nichts verändern. Er hält an Stars wie Christian Vieri und Alessandro Del Piero fest, die in Portugal enttäuschten. "Ihr Image ist außergewöhnlich und strahlend", sagte Lippi, "eine Episode kann nicht die gängige Meinung verändern."

Mit Juventus Turin gewann Lippi fünf Meisterschaften und einmal die Champions League. Dem Kettenraucher wird jedoch ein schwieriger Charakter bescheinigt. Vielleicht gerade deswegen scheiterte er beispielsweise bei Inter Mailand. Neben dem Konditionstrainer, dem Assistenztrainer und dem Torwarttrainer seiner Wahl werden Lippi frühere Nationalspieler zur Seite stehen, um Kontakt zur Mannschaft zur halten. Im Gespräch sind Ciro Ferrara (Juventus Turin) oder auch Alessandro Costacurta (AC Milan). Lippis Nominierung stieß in Italien auf Kritik.

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