Wunschkandidaten der Börse für die Präsidentschaftswahl liegen in Umfragen vorne: Argentinische Anleger sind in Kauflaune

Wunschkandidaten der Börse für die Präsidentschaftswahl liegen in Umfragen vorne
Argentinische Anleger sind in Kauflaune

Rechtzeitig zu den Präsidentschaftswahlen am kommenden Sonntag hat sich die argentinische Wirtschaft stabilisiert. Sinkende Zinsen und ein festerer Peso haben das Vertrauen der Anleger in den Finanzmarkt zurückgebracht. Vom Wahlsieg eines marktnahen Kandidaten könnten auch die internationalen Anleihegläubiger profitieren.

BUENOS AIRES. Dem argentinischen Aktienindex Merval nach zu urteilen, machen sich die Investoren keinerlei Sorgen über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen an diesem Sonntag. Der Merval befindet sich seit sieben Tagen in stetem Aufwind. Am Dienstag schloss der Index bei knapp 650 Punkten, vorläufiger Höhepunkt seit dem historischen Tiefstand von 350 Punkten im August letzten Jahres.

Die gute Stimmung am Aktienmarkt ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die beiden marktfeindlichen Kandidaten, die linke Oppositionspolitikerin Elisa Carrio sowie der populistische Peronist Rodriguez Saa (bekannt vor allem als Verkünder des Zahlungsausfalles vor dem Beifall klatschenden Kongress während seiner Interims-Präsidentschaft Ende 2001) laut Umfragen kontinuierlich an Stimmen verlieren. Fast gleichauf vorne in den Umfragen liegen derzeit Ex-Präsident Carlos Menem, der Wunschkandidat des amtierenden Präsidenten Duhalde, Nestor Kirchner, sowie schließlich der liberale Ökonom und unabhängige Kandidat Ricardo Lopez Murphy, welcher sich erst in den vergangenen Tagen überraschend ins Spitzenfeld vorarbeitete. "Das starke Anwachsen der Wahlintention für Lopez Murphy wird als Indikator genommen, der den Aktienmarkt beflügelt", so die Analysten von BBVA Banco Frances.

Besonders erfolgreich entwickeln sich weiterhin die Titel exportorientierter Unternehmen. Auf der Kaufliste der Analysten stehen der argentinische Ableger des Chemie- und Pharmaunternehmens Solvay Indupa, die Unternehmen Tenaris und Siderar (Stahl) sowie Aluar (Aluminium).

Die Stabilisierung der argentinischen Wirtschaft, die im Februar erneut um 5,8 Prozent gegenüber Januar und 1,8 Prozent im Jahresvergleich wuchs, sowie die entspannteren Erwartungen für die Wahlen ließen seit Mitte März auch die lokalen Zinsen sinken. Zugleich führten sie zu einer weiteren Stärkung des Pesos gegenüber dem Dollar. Beides macht Aktien- und Anleihen für lokale Investoren noch attraktiver. ABN-Amro-Analyst Marcelo Nicoletti prognostiziert "eine Schwächung des Dollars, einen Aufschwung am Aktienmarkt bei stabilen Anleihekursen sowie fallende Geldpreise und wachsende Bankeinlagen".

Auch die Nachfrage nach argentinischen Anleihen wird von den guten Aussichten marktfreundlicher Kandidaten beflügelt. Die Risiko-Zinsaufschläge der Dollar- und Euro-Bonds sanken im letzten Monat um 1 300 Basispunkte auf 5 365 Basispunkte.

Der Chicago-Boy Lopez Murphy, bis vor kurzem Chefökonom des anerkanntesten argentinischen Wirtschaftsforschungsinstituts FIEL, ist der Liebling der Marktakteure. Dem Peronisten Menem, der einen mächtigen Parteiapparat hinter sich weiß, trauen Analysten hingegen größere politische Durchsetzungskraft zu als Lopez Murphy. Von einem Sieg eines der beiden Kandidaten würden zusätzlich die Aktien der privatisierten Versorgungsunternehmen sowie die Titel der Banken profitieren. Auch versprechen beide eine schnelle Aufnahme der Verhandlungen mit Argentiniens internationalen Anleihegläubigern.

Ein Sieg von Kirchner hingegen würde die Unsicherheit für Banken und Versorger erhöhen sowie wahrscheinlich höhere Verluste für die internationalen Gläubiger des zahlungsunfähigen Landes bedeuten. Kirchner steht für Kontinuität der aktuellen Politiklinie, die zwar auf makroökonomische Stabilität ausgerichtet ist, sich jedoch in höherem Maße durch staatliche Interventionen auszeichnet. Nach wie vor deuten alle Umfragen darauf hin, dass keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit bekommt, so dass eine Stichwahl am 18. Mai nötig sein wird.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
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