Wut und Wehmut der Aktionäre
Consors: "Marktführer bei der Geldvernichtung"

Sie haben viel Geld verloren, und jetzt fühlen sie sich auch noch an die Wand gedrückt. Ohnmächtige Wut bestimmte manchen Redebeitrag von Aktionären auf der Consors-Hauptversammlung am Donnerstag in Nürnberg.

dpa NÜRNBERG. Denn hinter den Aktionären des Online-Brokers Consors liegen harte Zeiten. Von fast 150 ? auf dem Gipfel der Neuer Markt-Euphorie stürzte der Kurs innerhalb von zwei Jahren ins Bodenlose. Jetzt sollen die gebeutelten Anleger ihre Aktien für 12,40 ? an den neuen Mehrheitseigner abtreten, die französische Großbank BNP Paribas.

"Sie sind Marktführer bei der Geldvernichtung!" schleuderte ein Aktionär aus Stuttgart dem Consors-Vorstand unter Beifall entgegen. "An jedem Arbeitstag haben Sie eine Million Mark in den Sand gesetzt!" Fast zum Eklat kam es, als ein Redner von "Betrügerei" sprach und der Versammlungsleiter ihn deshalb stoppen wollte. "Ich bin nicht Ihr Angestellter", schrie der Aktionär, der nach eigenen Worten "sehr viel verloren" hat.

Die Consors-Bilanz sieht vor der Fusion mit der französischen BNP - Tochter Cortal in der Tat miserabel aus: 125,5 Mill. ? Verlust wurden 2001 angehäuft, und für das erste Halbjahr 2002 meldete Vorstandchef Karl Matthäus Schmidt zur Hauptversammlung gar ein Minus von 159 Mill. ? nach Steuern und Anteilen Dritter. Außerplanmäßige Abschreibungen auf Firmenwerte und eine Wertberichtigung latenter Steuern drücken laut Schmidt auf die Bilanz.

Auch wenn der künftige Chef des fusionierten Unternehmens CortalConsors, Olivier LeGrand, höflich von "gleichberechtigten Partnern" sprach, wurde doch schnell klar, dass die Franzosen in der Ehe das Sagen haben. "BNP Paribas und Cortal haben lange auf diese Gelegenheit gewartet, den deutschen Markt zu erobern", sagte LeGrand. Als der vorherige Consors-Eigner SchmidtBank zusammenbrach, war es so weit. Stolz verwies LeGrand darauf, dass Cortal seit Jahren profitabel arbeite. Das muss auch Consors schaffen, daran ließ der Franzose keinen Zweifel.

Die bisherigen Aktionäre allerdings werden davon kaum noch etwas haben. Viele haben das Übernahmeangebot bereits akzeptiert. Aktuell hält BNP 91,55 % an Consors. Bis Ende Juli hofft man, 95 % zu erreichen. Dann wäre ein "Squeeze-Out" möglich. Die restlichen Eigner könnten mittels Barabfindung herausgedrängt werden. Auch wenn die Vorstandsriege dazu nichts sagen wollte, war aus dem Unternehmen doch zu hören, dass es wohl so kommen werde. Deshalb schwang bei manchem Statement trotz allen Ärgers auch Wehmut mit. "Consors ist nicht mehr das Unternehmen, das wir einmal hatten", sagte Harald Petersen von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre und erinnerte an die Aufbruchzeiten im Jahr 1999. "Das war vielleicht schon die vorletzte Consors-Hauptversammlung", mutmaßte Petersen. "Die letzte wäre dann die, auf der wir vor die Tür gesetzt werden."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%