WWF befürchtet 20 000 tote Vögel
Hunderte Helfer kämpfen an dänischer Küste gegen Ölteppich

Die Folgen des Tankerunglücks in der Ostsee sind nach Einschätzung von Umweltexperten gravierender als zunächst angenommen.

afp KOPENHAGEN. Ein dänischer Marine-Offizier bezeichnete das Umweltunglück als "schwer wiegend". Solange das Wetter ruhig bleibe, sei die Lage aber beherrschbar. Bis Samstagabend hätten etwa 500 Tonnen Schweröl von der Meeresoberfläche abgesaugt und an den Stränden aufgelesen werden können. Besonders problematisch sei indes, dass sich ein Teil des Öls unter der Meeresoberfläche abgelagert habe und erst wieder zum Vorschein komme, wenn das Meer sich erwärmt. Nach Einschätzung von Rettungsdienstleiter Claus Munch kann es noch bis zu zwei Wochen dauern, bis das Meer und die Strände von den Ölresten gesäubert sind.

Die Umweltschutz-Organisation WWF rechnet mit bis zu 20 000 toten Seevögeln; 3 000 seien bereits verendet, berichtete der WWF-Mitarbeiter Alfred Schumm am Sonntag aus dem Unglücksgebiet. "An den betroffenen Küstenabschnitten weisen 80 bis 90 Prozent der Seevögel deutliche Verölungsspuren auf."

Tausend Tonnen Schweröl

Etwa tausend Tonnen Schweröl aus der Ladung des leck geschlagenen Tankers "Baltic Carrier" wurden nach offiziellen Angaben bis Sonntag an der dänischen Küste angespült und verschmutzten mehr als 20 Kilometer Strand. Die dänischen Behörden gehen davon aus, dass bis zu 2 700 Tonnen Schweröl in die Ostsee gelangt sein könnten. Einem vorläufigen Untersuchungsbericht zufolge ist der Unfall auf technisches und menschliches Versagen zurückzuführen.

Mehr als 400 Menschen im Einsatz

Mehr als 400 Menschen waren am Wochenende im Einsatz, um die Küste zu reinigen und um ölverschmierte Tiere zu retten. Jäger erschossen mehrere hundert Vögel, denen nicht mehr zu helfen war. Außerdem waren nach WWF-Angaben auch Fischlaichgründe betroffen. Inwieweit die Meeres-Robben in der Unglücksregion geschädigt wurden, sei noch nicht abzuschätzen.

Nach Experten-Meinung hat der Ölteppich schlimmere Folgen für die Umwelt als die Pallas-Havarie von 1998. Es sei 30-mal mehr Öl ausgetreten, und zwar hoch toxisches Schweröl, sagte der Meeres-Biologe Henning von Nordheim am Samstag im NDR. Bei dem Pallas-Unglück in der Nordsee waren etwa hundert Tonnen Treibstoff ausgelaufen und über 16 000 Seevögel verendet.

Einem am Samstag veröffentlichten vorläufigen Untersuchungsbericht der dänischen Handelsmarine zufolge war die "Baltic Carrier" am Donnerstag mit einem Frachter zusammengestoßen, als sie unerwartet abdrehte. Bei dem Aufprall wurde ein 20 Quadratmeter großes Loch in den Laderaum des Doppelwandtankers gerissen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%