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WWF: Meeresschildkröten für Tourismus lukrativer als in der Suppe

Frankfurt/Main (dpa) - Für die Suppe sind Meeresschildkröten nach einer Studie der Umweltstiftung WWF viel zu schade: Mit Öko-Tourismus lasse sich an den Panzertierern fast drei Mal mehr Geld verdienen als durch den Handel mit Schildpatt, Schildkrötenfleisch und -eiern, teilte der WWF Deutschland in Frankfurt am Main mit.

Frankfurt/Main (dpa) - Für die Suppe sind Meeresschildkröten nach einer Studie der Umweltstiftung WWF viel zu schade: Mit Öko-Tourismus lasse sich an den Panzertierern fast drei Mal mehr Geld verdienen als durch den Handel mit Schildpatt, Schildkrötenfleisch und-eiern, teilte der WWF Deutschland in Frankfurt am Main mit.

Meeresschildkröten sind weltweit in ihrem Bestand bedroht, drei der sieben Arten stehen vor dem Aussterben. Nach wie vor werden die Tiere aber nach WWF-Angaben wegen ihres Fleisches und der Panzer gejagt, ihre Eier gelten als Potenz steigernde Delikatesse. Der internationale Handel mit allen Arten ist verboten, national gibt es je nach Land verschiedene Einschränkungen. Außerdem verenden nach Darstellung des World Wide Fund for Nature (WWF) jährlich rund 250 000 Meeresschildkröten als ungewollter Beifang bei der Fischerei nach Tun- und Schwertfischen.

«Wo Meeresschildkröten leben, klingeln die Kassen», sagte WWF - Artenschutzexperte Stefan Ziegler. Mittlerweile unternehmen nach diesen Angaben jedes Jahr etwa 175 000 Menschen Ausflüge in die Lebensräume der Meeresschildkröten. Die Studie vergleicht den Gewinn, der sich mit Schildkrötenprodukten erzielen lässt, mit den Einnahmen durch Beobachtungstouren in die Schildkrötenregionen. Untersucht wurden Vorkommen in tropischen Gewässern rund um den Globus, darunter die Seychellen, die Karibik und die Malediven.

In neun Gebieten, in denen die Tiere gejagt werden, verdiene die Bevölkerung im Jahr durchschnittlich 582 000 US-Dollar (485 000 Euro) an den Tierprodukten. In neun anderen Gebieten, in denen die Reptilien als Touristenattraktion genutzt werden, liegen die durchschnittlichen Einnahmen durch Übernachtungen, geführte Ausflüge und Beobachtungstouren, Gastronomie und Transportwesen der Untersuchung zufolge im Schnitt bei rund 1,65 Millionen US-Dollar im Jahr.

Allerdings diene nicht jede Art von Tourismus dem Überleben der Tiere, unterstreicht der WWF. Die Brutgebiete der Reptilien, die ihre Eier im Sand vergraben, werden vielerorts durch Strandbebauung zerstört. Ökotourismus könne aber zur Rettung der Tiere beitragen. «Wirtschaftlicher Gewinn und das Überleben der Schildkröten schließen sich nicht aus», sagte Ziegler.

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