Xerox hat offenbar wiederholt seine Bilanzen frisiert
KPMG sieht sich als Opfer der Börsenaufsicht

Die US-Börsenaufsicht hat den Kopierer-Hersteller Xerox Corp. und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ins Visier genommen.

NEW YORK. Wie berichtet, hat die Securities and Exchange Commission (SEC) zwei ehemalige Xerox-Manager informiert, dass eine Zivilklage wegen Bilanztäuschung vorbereitet wird. Die Empfänger einer solchen Nachricht können Argumente vorbringen, um eine Anklage zu verhindern. Auch ein KPMG-Partner habe eine Nachricht über eine geplante Klage erhalten. KPMG hatte die Bücher von Xerox über Jahrzehnte geprüft.

Insgesamt seien mindestens sechs Personen betroffen, darunter der ehemalige Xerox-Chairman Paul Allaire und der ehemalige Finanzvorstand Barry Romeril, hieß es gestern. Xerox-Sprecherin Christa Carone sagte, sie könnte die Benachrichtigungen an die beiden Ex-Manager nicht bestätigen. Anders bei KPMG: Dort soll Michael Conway, der die Buchprüfung bei Xerox mit geleitet hat, eine Benachrichtigung erhalten haben. "Wir können bestätigen, dass wir mit der SEC über die Möglichkeit eines Verfahrens gegen das Unternehmen gesprochen haben. Es wurden keine endgültigen Entscheidungen getroffen", sagte KPMG-Sprecher George Ledwith.

Die SEC wirft Xerox mit Sitz in Stamford unweit von New York vor, ausgefeilte Buchungsmethoden genutzt zu haben, um langfristig geleaste Büroausrüstungen schneller zu verbuchen und damit die Umsätze künstlich in die Höhe zu treiben. In den späten neunziger Jahren, als die Nachfrage nach Kopierern durch die Konkurrenz von Computerdruckern bereits deutlich einbrach und Xerox mit der eigenen Umstrukturierung kämpfte, hat das Unternehmen nach Ansicht der SEC mit Bilanztricks die Ergebnisse manipuliert.

Erst vergangene Woche hatte sich Xerox bereit erklärt, 10 Mill. Dollar Zivilstrafe zu zahlen und seine Jahresbe-richte vom Jahr 1997 an zu korrigieren, um eine Zivilklage der SEC beizulegen, die dem Unternehmen unter anderem Betrug vorwarf. Das war die höchste Summe, die ein Unternehmen je für die Verletzung von Regeln der Rechnungslegung gezahlt hat. Xerox hatte die Vorwürfe weder bestätigt noch zurückgewiesen. Das Unternehmen räumte aber ein, dass es voraussichtlich mehr als 2 Mrd. Dollar für die Jahre von 1997 bis 2000 neu verbuchen werde. Welchen Effekt das für das Ergebnis haben wird, sagte Xerox nicht.

Es ist das zweite Mal, dass Xerox seine Jahresberichte ändern muss. Bereits Mitte des Jahres 2000 war Xerox in das Visier der Börsenaufsicht geraten und hatte im vergangenen Juni seine Ergebnisse für die Jahre 1998 bis 2000 leicht nach unten korrigiert. Der Kopierer-Hersteller gab zu, Reserven für Fusionskosten in Höhe von 100 Mill. Dollar so verbucht zu haben, dass das Ergebnis besser ausfiel.

Zunächst sah es so aus, als wären Buchhaltungstricks auf das Geschäft von Xerox in Mexiko beschränkt. Nach Informationen des Wall Street Journals hat das Unternehmen jedoch versucht, Untersuchungen in seinem Geschäft außerhalb von Mexiko zu blockieren. Xerox-Sprecherin Carone sagte dagegen, Xerox habe "völlig mit der SEC kooperiert", allerdings alle legalen Möglichkeiten genutzt, um das Interesse des Unternehmens zu schützen.

KPMG-Sprecher Ledwith sagte, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft habe Xerox zu einer internen Überprüfung der Vorgänge gedrängt, die zu den korrigierten Ergebnissen im vergangenen Juni geführt hatten. KPMG habe sich sogar geweigert, ohne eine weitere Untersuchung von außen die Bilanz für 2000 zu unterzeichnen. "Wir haben alles getan, was ein Wirtschaftsprüfer tun muss", sagte er. Man habe sich nichts vorzuwerfen.

Quelle: Handelsblatt

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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