"Xetra Best" in der Kritik
Private Orders bald nicht mehr über Börse?

Mit dem Start der Simulationsphase von "Xetra Best" hat die Deutsche Börse am Montag ein umstrittenes neues elektronisches Handelssystem für Kleinanleger auf den Weg gebracht.

dpa FRANKFURT. Xetra Best soll es den Banken und Maklerfirmen ermöglichen, Aufträge von Privatanlegern hausintern auszuführen und nicht an die Börse zu leiten. Dabei sollen sie die Spanne zwischen An- und Verkaufskursen (Spread) für sich vereinnahmen und Makler- und Abwicklungskosten sparen können.

Die Börse beschreibt das Marktmodell als attraktives Angebot für Privatanleger. Xetra Best soll für Aufträge bis maximal 50 000 Euro gelten und sich vor allem an Privatanleger richten. Die so genannte Best Execution sehe die sofortige Ausführung eines Wertpapierauftrages zu Xetra-Preisen oder besser vor.

Doch die Reform stößt auf heftige Kritik, die sich vor allem am möglichen Entzug von Liquidität auf dem Parkett und in Xetra festmacht. Auch größere Spreads könnten sich zum Nachteil der Anleger entwickeln. Zudem wird eine geringe Transparenz befürchtet. "Bei diesem Modell gibt es zwei Gewinner, die Deutsche Börse und die Deutsche Bank", sagte ein Frankfurter Händler. Wenn ausreichend Banken mitmachten, werde der Parketthandel ausgedünnt und die Regionalbörsen verlören weiter an Bedeutung.
Für einen anderen geht es ganz klar um Machtpolitik im Börsenhandel. "Hinter Xetra Best steckt ein knallharter Verdrängungs-Wettbewerb", sagt der Händler einer kleineren Bank. "Wenn wir da nicht mitmachen, sind wir aus dem Markt draußen." Alle anderen seien die Verlierer, konstatiert auch ein künftiger Teilnehmer an Xetra Best, der überzeugt ist, sonst keine Überlebenschance zu haben. Die Deutsche Bank hält rund zehn Prozent der Aktien der Deutschen Börse.

Einige Großbanken wie Goldman Sachs oder die Deutsche Bank kauften bereits Aufträge von Banken wie M.M. Warburg, dem Bankhaus Metzler oder der Comdirect ein, heißt in der Finanzbranche. "Wir geben lieben Orders an die großen Banken ab, als hier großartig zu investieren", sagt ein Händler einer kleineren Bank.

Nach Aussage von Marktteilnehmern stößt auch die Ausgestaltung der Simulation auf Kritik. Kleinere Marktteilnehmer klagen, dass die wichtigen Dax-Werte und bis auf den Arzneimittelhersteller Stada auch die Werte im MDax zur Erprobung nicht verfügbar sind. Zudem habe die Deutsche Börse auch am Neuen Markt nicht die Indexschwergewichte, sondern eher kleinere Werte ausgewählt. Insgesamt seien 20 Werte für die Probephase, die noch bis zum 9. August dauern soll, ausgewählt. Am 2. September soll Xetra Best dann nach den Plänen der Deutschen Börse an den Start gehen.

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