Archiv
XP ist ein neuer Motor für den PC

Mit einer Milliarde US-Dollar hat Microsoft sein neues Betriebssystem Windows XP promotet, dass am 25. Oktober ausgeliefert werden soll.

DÜSSELDORF. Mit XP - steht für "Experience" - soll es nun endlich einen Nachfolger für die Vorgängervarianten Windows NT, 2000, ME und 98 aus einem Guss für alle geben. Windows XP ist Teil der neuen .Net-Strategie (sprich Dot Net) der Redmonder, mit der alle Produkte vom Betriebssystem bis zu den Office-Programmen durchgängig internetfähig gemacht werden sollen. Gleich, ob mit Programmen vom Desktop-PC, PDA oder Handy, der Nutzer soll gleichermaßen gewohnt auf seine Daten zugreifen können - solange sie nur von Microsoft sind.

Dabei haben sich die Microsoft Entwickler mit dem neuen Betriebssystem reichlich Mühe gegeben: Dank Kompatibilitätsmodus laufen auch Programme von vorgestern, wie Windows NT, 2000, 98, 96 oder sogar das betagte 3.1. Ein Firewall soll Surfer vor unbefugten Zugriffen aus dem Internet schützen und vorangegangene Systemzustände lassen sich nach einem Absturz wieder herstellen. "Ich bin total begeistert", so ein Anwender der Windows XP Vorab-Testversion. "Alle Treiber für Drucker, Scanner und Soundkarte wurden auf Anhieb gefunden. Kein Absturz - das System läuft sehr stabil. XP macht ein schnelles und unkompliziertes Arbeiten möglich. An die kunterbunte Oberfläche hat man sich erstaunlich schnell gewöhnt. Und ich möchte sie auch nicht mehr missen. Wer trotzdem nicht klar kommt, kann ja immer noch auf die gewohnte Version umschalten."

Die Schattenseite von XP

Allerdings hat das neue System auch seine Schattenseiten. Windows XP verfügt ebenso wie die Bürosoftware Office XP über einen neuartigen Kopierschutz gegen Raubkopien. Mit der Registrierung erhält der Nutzer einen Code, der nur zu seinen PC passt. Erst damit lässt sich XP freischalten. Besonders lästig dabei: Bei Veränderungen an der Hardware oder wenn der Käufer XP auf einem neuen PC installiert, muss er sich nach telefonischer Durchgabe einer fünfzigstelligen Codenummer bei Microsoft einen neuen Authentifizierungscode besorgen. Mt der Zwangsregistrierung bei der Installation werden die Kunden dann aufgefordert, persönliche Daten an Microsoft zu übermitteln. So speichert der in Windows XP integrierte Passport-Dienst persönliche Daten der Lizenznehmer auf zentralen Microsoft-Servern.

Microsoft, deren Produkte sich in der Vergangenheit nicht immer durch uneingeschränkte Sicherheit auszeichneten, könnte auf Grund seiner Marktmacht so zu einem der zentralen Verwalter persönlicher Informationen werden. Deswegen hat die amerikanische Verbraucherschutzvereinigung Epic (Electronic Privacy Information Center) bei der US-Kartellbehörde kürzlich Einspruch erhoben. "Sie soll das Ansinnen von Microsoft prüfen, Daten von Millionen Windows-Nutzern zu sammeln und Kundenprofile zu erstellen", so Epic-Chef Marc Rotenberg.

Nur der europäischen Datenschutz-Richtlinie ist es zu verdanken, dass hier zu Lande zumindest jeder seine gespeicherten Daten wird einsehen können. Was jedoch mit den ausgewerteten Daten geschieht, bleibt zunächst offen. Auch der Windows-Testanwender traut der Sache doch nicht ganz: "Ich werde mir Windows XP erst dann besorgen, sobald es etwas gegen die Zwangsregistrierung gibt." Das gibt es bereits: Einschlägigen Hackerkreisen ist es gelungen, den Aktivierungsmechanismus auszuhebeln. Im Internet kursiert ein Archiv "corporate.zip", das die auszuwechselnden Dateien inklusive des zur Installation nötigen CD-Keys enthält, dadurch ist keine Aktivierung mehr erforderlich.

Lizensierung soll flexibel gehandhabt werden

489 Mark soll die Vollversion von Windows XP Home Edition im Handel kosten. Ein Update ist allerdings nur von Windows 98 und Millenium aus für 254 Mark möglich. Das Update von Windows NT auf die Profiversion Windows XP Professional geht ebenso für 489 Mark über die Ladentheke. Die Lizensierung will der Software-Gigant aus Redmond jetzt nach Vorgaben des US-Bundesgerichtes flexibler handhaben und sich so gute Karten im Kartellverfahren sichern.

Anders als bisher können OEM-Partner und PC-Anbieter das Interner-Explorer-Icon vom Windows-Desktop entfernen und selbst entscheiden, welche Programmverknüpfungen sie auf dem Startbildschirm des neuen Windows-Betriebssystems platzieren: statt dem Internet-Explorer etwa den Browser vom Konkurrenten Netscape. Nur die enge Verknüpfung zum Microsoft Network (MSN) und Instant-Messaging-System bleibt bestehen. "Wir geben den PC-Lieferanten mehr Flexibilität", so Microsoft-Chef Steve Ballmer. Die Einsicht des Softwaregiganten kommt nach Ansicht von Experten ohnehin viel zu spät. Mittlerweile surfen fast 90 Prozent aller PC-Nutzer bereits mit dem Microsoft-Explorer.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%