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Yen-Höhenflug bereitet Japans Wirtschaft erhebliche Kopfschmerzen

Der rasante Höhenflug des Yen zum Dollar auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren bereitet Japans Wirtschaft erhebliche Kopfschmerzen. Zwar sind Japans Exporteure wesentlich widerstandsfähiger gegen Yen-Aufwertungen geworden.

dpa-afx TOKIO. Der rasante Höhenflug des Yen zum Dollar auf den höchsten Stand seit fast fünf Jahren bereitet Japans Wirtschaft erhebliche Kopfschmerzen. Zwar sind Japans Exporteure wesentlich widerstandsfähiger gegen Yen-Aufwertungen geworden. Doch auch wenn die Schmerzgrenze mittlerweile höher liegt, es gibt sie. Schließlich erholt sich die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt nur langsam von der Strukturkrise der 90er Jahre und bleibt vorerst auf den Export als Wachstumsmotor angewiesen. Da könnte Experten zufolge ein Nachfragerückgang aus dem Ausland wegen eines steigenden Yen Japan ganz leicht wieder an den Rand einer Rezession drücken.

Am Donnerstag dieser Woche fiel der Dollar unter die Marke von 102 Yen auf den tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Am Freitag lag er bei etwas über 103 Yen. Im ersten Quartal hatten Japans Währungshüter bereits bei einer Festigung der Landeswährung um die 105 Yen-Marke zum Dollar massiv in den Markt eingegriffen. Damals stabilisierte sich der Dollar wieder und die in die USA geflossenen Yen kehrten als Investitionen an den japanischen Aktienmarkt zurück. Inzwischen hat sich die Lage nach Auffassung von Experten allerdings geändert: "Die Bank von Japan hat noch einen relativ weiten Spielraum, bevor sie eine weitere Aufwertung des Yen zu verhindern suchen wird", erklärt Martin Schulz, Ökonom beim Fujitsu Research Institute in Tokio.

Vor allem die japanischen Exportunternehmen stünden heute auf wesentlich festeren Füßen, da sie mit andauernden Kostensenkungen den realen Wechselkurs bisher stabil halten konnten und sich bis weit in das nächste Jahr hinein mit günstigen Dollar absichern konnten, so der Wirtschaftsexperte. Hier macht sich auch die in Japan andauernde Deflation bemerkbar. Die fallenden Preise japanischer Produkte haben dazu geführt, dass deren Wettbewerbsfähigkeit im Ausland, namentlich in den USA und auf den benachbarten asiatischen Märkten, in diesem Jahr Experten zufolge kaum abgenommen hat - obwohl der Yen von etwa 110 auf unter 103 Yen zum Dollar gestiegen ist.

"Hinzu kommt, dass der Zustand des amerikanischen Außenhandelsdefizits und die Stabilität der Weltwirtschaft es langfristig erfordern, einen niedrigen Dollar zu akzeptieren", erklärt Schulz. Die japanische Zentralbank werde daher vermutlich erst zu Yen-Dollar-Kursen unterhalb der 100-Yen-Marke massiv in den Devisenmarkt eingreifen. Es sei daher wahrscheinlich, dass der Dollar noch weiter gegenüber den asiatischen Währungen nachgeben werde. Einen extremen Absturz des Dollar hält der Ökonom allerdings für unwahrscheinlich. Asien bleibe abhängig vom Dollar als Handels- und Reservewährung und werde ihn vorerst nicht durch den Euro ersetzen.

Nach einer von der japanischen Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai Shimbun" zitierten Erhebung der Regierung liegt die Schmerzgrenze hinsichtlich der Profitabilität der japanischen Exporteure bei 105,90 Yen zum Dollar nach 114,90 Yen im vergangenen Jahr. Da der momentane Wert des Yen jedoch noch höher liegt, wachse die Sorge bei vielen Unternehmern. Sollte diese Yen-Stärke über einen langen Zeitraum anhalten, werde sich das negativ auf die Gewinne der Unternehmen auswirken, zitierte das Blatt den Vorsitzenden des Wirtschaftsdachverbands Keidanren, Hiroshi Okuda.

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