Yen profitiert nicht von Koizumis Ankündigungen
Euro gerät durch Inflationsdaten unter Druck

rtr FRANKFURT. Der Euro ist im europäischen Vormittagsandel nach der Veröffentlichung der Inflationsdaten für die Länder Bayern und Baden-Württemberg erneut unter Druck geraten. Händlern zufolge belastet die Aussicht auf ein erneutes Ausbleiben einer Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) die westeuropäische Valuta.

Dazu beigetragen hätten die jüngsten Inflationsdaten aus der Euro-Zone - die vorläufigen italienischen Verbraucherpreise vom Vortag und die Teuerungsraten aus Bayern und Baden-Württemberg vom Dienstag. Zuvor hatte sich der Euro wegen der französischen Verbraucherdaten leicht von seinen Tiefständen erholt. Gegenüber ihrem Drei-Wochen-Höchststand von 0,9082 Dollar am Montag verbuchte die Gemeinschaftswährung insgesamt Abschläge von mehr als einem US-Cent. Der Yen profitierte nicht von der Wahl des Reformers Junichiro Koizumi zum Chef der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP).

Nach Einschätzung von Analysten ist von der EZB besonders nach den jüngsten Inflationsdaten keine schnelle Senkung der Leitzinsen zu erwarten. Die Jahresteuerung in Bayern kletterte wegen steigender Energie- und Nahrungsmittelpreise im April mit 2,8% auf den höchsten Stand seit Dezember 1993. In Baden-Württemberg stieg die Inflation auf 2,9% nach 2,6% im März. Hier erreichte die Teuerung ihr höchstes Niveau seit Februar 1994. Einer Reuters-Umfrage von Ende vergangener Woche zufolge rechneten 37 von 44 befragten Analysten nicht mit einer Zinssenkung in dieser Woche. Das Vertrauen in die europäische Währung wurde Händlern zufolge von unerwartet stark gestiegenen Verbraucherpreisen in Italien geschwächt. Statt der von Analysten erwarteten 2,9% zum Vorjahresmonat waren die Preise im April um 3,1% gestiegen.



Gegen 11.15 Uhr notierte der Euro nahe seinem Tagestiefstand von 0,8962 Dollar mit 08971/74 Dollar. Zuvor war er auf sein bisheriges Tageshoch von 0,9012 Dollar gestiegen, zum Handelsschluss in New York war sie mit 0,8980/84 Dollar bewertet worden. Zur japanischen Währung lag der Euro bei 109,00/05 Yen nach 109,05/14 Yen im asiatischen Handel und 109,14/22 Yen am Vorabend.



Die Verbraucherausgaben französischer Haushalte nahmen im März nach Angaben des französischen Statistikinstituts Insee um 1,3% gegenüber dem Vormonat zu. Kurz vor der Bekanntgabe der Zahlen hatte der französische Finanzminister Laurent Fabius die Zahlen im Gespräch mit dem Radiosender RTL als "exzellent" bezeichnet. Von Reuters befragte Analysten hatten mit einem Zuwachs von lediglich 0,3% gerechnet. Den Insee-Angaben zufolge stieg der französische Verbrauch im ersten Vierteljahr 2001 um 2,3% nach einer Zunahme von 0,4% im vierten Quartal 2000.



Gegen die japanische Währung kostete der Dollar zuletzt 121,45/48 Yen nach 121,21/31 Yen zum New Yorker Handelsschluss. Der als Reformer geltende ehemalige Gesundheitsminister Junchiro Koizumi gewann zwar die Wahl zum Chef der japanischen Liberaldemokratischen Partei (LDP), Händlern zufolge ist aber unklar, in welchem Maße Koizumi seine Pläne auch tatsächlich durchsetzen könne. "Dem Markt fällt es schwer, daran zu glauben, dass das Koizumi-Wunder wirklich geschehen wird", sagte Clifford Bennett von BNP Paribas in Singapur. Nach seinem Sieg sagte Koizumi, er wolle, dass mit Zuversicht behauptet werden könne, die LDP sei die Partei, mit der tiefschürfende Reformen durchgesetzt werden können. Wegen der Mehrheitsverhältnisse im japanischen Parlament dürfte der neue LDP-Chef am Donnerstag von den Abgeordneten auch zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden.

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