„You can save the world and make a profit, too“
Tue Gutes und profitiere davon

Man kann Gutes tun und damit Geld verdienen. Dieses Credo stand am Anfang eines von MBA-Studenten entwickelten Startup-Wettbewerbs in Kalifornien. Mittlerweile ist daraus eine US-weite Initiative geworden.

DÜSSELDORF. Die US-amerikanischen Business Schools haben das Thema soziale Verantwortung entdeckt. Nicht zuletzt unter dem Eindruck der Ereignisse des 11. Septembers wächst das Bewusstsein, dass Unternehmen nicht im luftleeren Raum operieren und Manager sich über die sozialen und politischen Folgen Gedanken machen müssen.

Aber Amerika wäre nicht Amerika und die Business Schools wären nicht Business-orientiert, wenn sich aus solch einem Trend kein Geschäftsmodell entwickeln ließe. Tue Gutes und verdiene Geld damit, so das Motto.

Wegweisend dabei ist ein Wettbewerb, den MBA-Studenten der Haas School of Business an der University of California-Berkeley entwickelt haben. Bei dieser "Social Venture Competition" geht es darum, Unternehmenskonzepte zu prämieren, die eine soziale Dimension haben.

Startup-Wettbewerbe gibt es heute in den USA viele. Überhaupt haben die US-Universitäten und Business Schools wesentlichen Anteil am Gründerboom. Das Silicon Valley und seine IT-Industrie etwa wären ohne die Stanford University gar nicht denkbar.

Neu ist aber die Verknüpfung von Geschäft und sozialer Dimension. Die Startup-Vorschläge der Studenten müssen zuallererst ein tragfähiges Gewinnpotenzial aufweisen. Dann müssen sie Einsatz für das Gemeinwohl demonstrieren, und der Einfluss des Unternehmens auf Gesellschaft oder Umwelt muss quantifiziert werden können.

Der Gewinner bekommt Geld - und Publicity. Die Geschäftsidee der Sieger wird zusammen mit den Konzepten der Zweit- und Drittplatzierten an 150 Risikokapitalgeber in den USA weitergegeben, die sich auf Jungunternehmen mit sozialer Ausrichtung spezialisiert haben.

Erster Sieger der Social Venture Competition ist Mirko Previsic mit seinem Unternehmen Sea Power & Associates. Das Unternehmenskonzept: Energie ohne Rückstände erzeugen. Mit Hilfe technisch ausgeklügelter Bojen soll die Kraft von Meereswellen in Elektrizität umgewandelt werden.

"Anfangs stand das Gefühl im Mittelpunkt, etwas Gutes, etwas für die Umwelt zu tun", sagt Previsic. "Aber mittlerweile ist auch ein unternehmerischer Aspekt dazugekommen. Ich kann damit Geld verdienen. Die Technologie ist eine Neuerung. Ich denke, das wird eine aufregende Möglichkeit des Wellenreitens."

Der kalifornische Wettbewerb wurde von einer Handvoll MBA-Studenten der Haas-School erdacht. Die Studenten sind Mitglieder von Net Impact, einer USA-weiten Gruppe von MBA-Studenten und Absolventen, die sich Geschäftsideen mit sozialer Verantwortung verschrieben haben. In den vergangenen Jahren sei das Konzept des Unternehmertums mit sozialer Zielsetzung unter Geschäftsleuten und MBA-Kandidaten immer populärer geworden, urteilt Eric Weaver, ein Gründungsmitglied von Net Impact und derzeit Chairman der Gruppe. Und angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage dürften sich seiner Meinung nach mehr MBA-Studenten gemeinnützigen Organisationen und anderen Sozialdienstleistern zuwenden, da die hochbezahlten Stellen rarer würden.

Was hat die Jury - zusammengesetzt aus Wagniskapitalgebern, Investoren mit sozialem Engagement, Philanthropen und sozial ausgerichteten Unternehmenschefs - von Sea Power überzeugt?

Das Startup sei ein hervorragendes Beispiel für ein Unternehmen mit "doppeltem Gewinnausweis", sagt Jury-Mitglied Jim Schorr, Managing Director des Juma Enterprise Center in San Francisco, einem Inkubator für Unternehmen mit sozialen Zielen. "Sea Power kann als Unternehmen enormen gesellschaftlichen Einfluss und gleichzeitig ein bedeutendes Geschäftspotenzial haben", urteilt er. "Das Timing könnte nicht besser sein, besonders in Kalifornien, wo jeder darüber nachdenkt, wie man neue Quellen nachhaltiger Energie erschließen kann."

Bei der "Social Venture Competition" bekommen Kandidaten, die ein akutes soziales oder umweltpolitisches Problem ansprechen, zusätzliche Punkte. Die Jury bewertet außerdem, wie gut die soziale und finanzielle Zielsetzung eines Unternehmens integriert ist, wie stark das Management ist, und ob es sozial verantwortliche Geschäftsgrundsätze verfolgen will - etwa Recycling oder eine familienfreundliche Arbeitsplatzgestaltung.

Unter den Finalisten dieses Jahres befand sich auch der 34-jährige Eldrige "Eric" Jones von Este World Ltd. Das Unternehmen hält eine Lizenz für die Wiederaufforstung exotischer Baumarten am Amazonas, deren Holz mit einem "Öko-Zertifikat" versehen und vermarktet werden soll.

Ben Foote, ein 29-jähriger MBA-Student im ersten Jahr an der University of North Carolina in Chapel Hill, ging mit EthicInvest in den Wettbewerb. Er setzt eine Computer-Software ein, die Investoren dabei helfen soll, Finanzentscheidungen zu treffen, die mit ihren persönlichen Wertvorstellungen übereinstimmen. Die Anleger können das Programm nutzen, um nach Unternehmen zu suchen, die gewisse soziale Kriterien erfüllen - zum Beispiel im Umgang mit der Umwelt oder in der Arbeitsplatzgestaltung.

Die studentische Initiative an der Haas School stieß auch auf das Interesse der Goldman Sachs Die Stiftung, die von der gleichnamigen Investmentbank 1999 ins Leben gerufen und mit 200 Millionen US-Dollar Kapital ausgestattet wurde, hilft künftig mit 1,5 Millionen US-Dollar mit, dass aus dem lokalen ein nationaler Wettbewerb wird.

"Dieser Wettbewerb stellt einen Meilenstein im Bereich sozialengagierter Unternehmen dar", urteilt Stephanie Bell-Rose, Präsidentin der Goldman Sachs "Das stimmt mit der Mission unserer Stiftung überein, herausragende Studenten zu ermutigen, die Instrumente zu entwickeln, die ihnen helfen, globale Führungspersönlichkeiten von morgen zu werden."

Künftig wird der Wettbewerb als "National Social Venture Competition" gemeinsam von der Haas School of Business an der Westküste und der Columbia Business School (New York) an der Ostküste organisiert. Während des ganzen Jahres werden die Entrepreneurship-Zentren beider Business Schools darüber hinaus überall in den USA verschiedene Veranstaltungen zum Thema organisieren.

"You can save the world and make a profit, too", sagt einer der Verantwortlichen nur leicht ironisch, Ausdruck des amerikanischen Credo, dass man Profit mit Sozialem verbinden kann, und dass es besser ist zu machen als zu lamentieren.

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