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Yukos-Finanzvorstand hält Insolvenz für 'sehr wahrscheinlich'

Der zu Steuernachzahlungen in Millionenhöhe verurteilte russische Ölkonzern Yukos hält eine Pleite in den nächsten Tagen für sehr wahrscheinlich. "Wenn wir zahlungsunfähig sind, weil wir kein Geld haben, um unsere Rechnungen zu zahlen, müssen wir Insolvenz anmelden. Ich denke, das ist sehr wahrscheinlich", sagte Finanzvorstand Misamore der "Financial Times" (Montagausgabe). "Die Insolvenz ist kein schlechtes Szenario, solange alles legal abläuft."

dpa-afx LONDON. Der zu Steuernachzahlungen in Millionenhöhe verurteilte russische Ölkonzern Yukos hält eine Pleite in den nächsten Tagen für sehr wahrscheinlich. "Wenn wir zahlungsunfähig sind, weil wir kein Geld haben, um unsere Rechnungen zu zahlen, müssen wir Insolvenz anmelden. Ich denke, das ist sehr wahrscheinlich", sagte Finanzvorstand Misamore der "Financial Times" (Montagausgabe). "Die Insolvenz ist kein schlechtes Szenario, solange alles legal abläuft."

Misamore zufolge zweigen die Behörden die Hälfte des monatlichen Barmittelzuflusses von 1,8 Mrd. $ ab. Hilfe habe Yukos durch den Anstieg des Ölpreises erhalten. Damit habe das unter Druck geratene Unternehmen Geld für einige zusätzliche Tage. Im nächsten Monat werden die Bargeldreserven aber erschöpft sein.

Analysten in Moskau äußerten am Montag wenig Hoffnung, dass Misamores Ankündigung einer "sehr wahrscheinlichen" Insolvenz den Druck der Justiz verringern könnte. Um eine baldige Yukos-Pleite und damit mögliche Exportausfälle zu vermeiden, hatten in der Vorwoche selbst die russischen Energiebehörden eine Freigabe der Yukos-Geschäftskonten gefordert.

Misamore: Operatives Geschäft Zunehmend IN Gefahr

Nach Angaben Misamores gerät das operative Geschäft von Yukos zunehmend in Gefahr. Weder mit dem staatlichen Pipelinebetreiber noch mit der Russischen Eisenbahn seien bislang Transporte über den August hinaus vereinbart worden.

Der größte Öl-Verschiffer von Yukos, Volgotanker, drohte unterdessen damit, den Transport von Rohöl für den Konzern vom 1. September an einzustellen, weil Yukos die Gebühren nur bis Ende August gezahlt habe. "Wir sind nicht bereit, Yukos-Öl auf Kredit zu verschiffen, weil völlig unklar ist, wer dann für unsere Dienste zahlt", sagte Volgotanker-Chef Alexander Alexandrovich im Moskau-Radio. Nach Angaben von Yukos transportiert Volgotanker jährlich zehn Mill. Tonnen Yukos-Öl oder 12 % der Produktion.

Yukos ist rechtskräftig zur Zahlung einer Steuerschuld von knapp 2,8 Mrd. ? für das Jahr 2000 verurteilt. Für 2001 kommt eine ähnliche Summe auf den Ölkonzern zu. In Branchenkreisen gilt als sicher, dass der Kreml das Vorgehen der Justiz steuert, um die Yukos-Ölreserven wieder unter staatliche Kontrolle zu bringen.

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