Zabel-Kritik an Ullrich
Ullrich-Erklärung am Samstag

Der des Dopings verdächtigte Jan Ullrich will am Samstag persönlich zu den Vorwürfen gegen ihn Stellung nehmen. Der Weltranglisten-Spitzenreiter Erik Zabel sprach in Zusammenhang mit der Doping-Affäre von einer "schwierigen Situation für uns alle".

dpa LUXEMBURG. Der des Dopings verdächtigte Jan Ullrich will sein Schweigen brechen und erstmals am Samstag zu den Vorwürfen gegen ihn öffentlich Stellung nehmen. Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat am Freitag zu einer Pressekonferenz nach Frankfurt am Main (1000 Uhr) eingeladen. Die Anwälte von Ullrichs Arbeitgeber Team Telekom und die Berater des im Ausland abgetauchten Rad-Olympiasiegers arbeiten seit Tagen fieberhaft an einer Verteidigungslinie. Unterdessen hat die Ullrich- Affäre die Befürchtungen seiner Teamkollegen verstärkt, dass die Telekom ihr Engagement im Radsport in absehbarer Zeit beenden könnte.

Der Weltranglisten-Erste Erik Zabel, der sein siebentes Grünes Trikot hintereinander bei der am Samstag beginnenden Tour de France anstrebt, sprach in Zusammenhang mit der Doping-Affäre von "einer schwierigen Situation für uns alle". Die "aktuellen Nachrichten über Ullrich" seien "nicht gerade förderlich für das Image des Sponsors". Dennoch glaubt der elffache Tour-Etappensieger, dass Telekom noch mindestens ein Jahr weiter macht.

Zabel: "Ich hoffe, das die Uhr von Telekom nicht abläuft. Ich gehe davon aus, dass ich meinen bis 2003 geltenden Vertrag erfüllen kann." Die Stimmung im Team sei gedrückt. Zabel kritisierte in dem Zusammenhang Ullrich: "Ob Jan bei der Tour 2003 dabei ist, hängt in erster Linie von ihm ab." Die Vorbild-Funktion als Mannschafts- Kapitän spricht ihm der "Sportler des Jahres" im Moment allerdings ab: "Da könnte er sicher einiges besser machen."

Ob die Telekom die vorhandenen Optionen für 2004 und 2005 wahrnimmt, steht noch nicht fest. "Dafür müssen wir in uns gehen", sagte der Kommunikations-Direktor der Telekom, Jürgen Kindervater. Er reichte Ullrich die Hand: "Wir lassen ihn nicht wie eine heiße Kartoffel fallen. Wir haben auch eine soziale Verantwortung dem Menschen Ullrich gegenüber und müssen ihn aus dem tiefen Loch herausholen."

Die Verteidigungs-Linie könnte so aussehen: Ullrich hat die Amphetamine nicht zur Leistungssteigerung eingesetzt, weil sich der seit dem 28. Mai krankgeschriebene Athlet nach seiner Knie-Operation in der Reha befand, seit Wochen nicht Radfahren kann, die Tour bereits im Mai abgesagt hatte und in dieser Saison ohnehin nicht mehr im Wettkampf aktiv werden wollte. Dies wäre dann mehr ein Problem des "Partylöwen" Ullrich, oder sogar eine Art Anschlag, wie sein Team- Kollege Jens Heppner vermutete: "Vielleicht wurde ihm etwas untergeschoben. Es gibt genug, die Telekom hassen." Heppner wies auf die besondere Vertragsklausel hin: "Wer zur Leistungssteigerung dopt, fliegt bei uns, und das kann es ja im Fall Ullrich nicht gewesen sein."

Die Rechtslage ist klar. "Wenn Ullrich nach positiver A- und B- Probe vom Sportgericht rechtskräftig verurteilt wird, müssen wir ihn entlassen. So steht es in unseren Fahrerverträgen", sagte auch Teamsprecher Olaf Ludwig.

Bis es so weit sein könnte, geben die Richtlinien den Verantwortlichen ein Zeitpolster, so dass zumindest die am Samstag in Luxemburg mit einem sieben Kilometer langen Prolog beginnende Tour de France noch in relativer Ruhe zu Ende geführt werden kann. Laut Ludwig muss Ullrich am (heutigen) Freitag Stellung beim BDR beziehen, der von der positiven A-Probe am 12. Juni bereits am 27. Juni informiert worden war. Danach muss die B-Probe in den nächsten 15 Tagen geöffnet werden. Wenn das Ergebnis feststeht, kann gegebenenfalls das Sportgericht tätig werden. Ullrich droht eine Sperre von sechs Monaten.

Ullrich habe seine sportliche Zukunft selbst in der Hand, sagte Teamchef Walter Godefroot: "Das außergewöhnliche Talent ist da. Das geht nicht weg. Aber will sich Jan noch quälen? Das ist die Frage. Wir haben ihm den Weg gezeigt, gehen muss er ihn."

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