Zähe Verhandlungen
Britische LNM kauft marode Stahlwerke

Nach fast endlosen Verhandlungen hat sich die sozialdemokratische Regierung von Premier Leszek Miller entschlossen, die staatliche polnische Stahlholding Polskie Huty Stali S.A. (PHS S.A.) an die London Netherlands Metal Group (LNM) zu verkaufen. Mit einer Jahresleistung von knapp 41 Mill. Tonnen Stahl ist die LNM des Inders Lakshmi N. Mittal zweitgrößter Stahlproduzent der Welt.

rev WARSCHAU. Die PHS, die gut 70 % der polnischen Stahlindustrie umfasst, kommt auf ein Jahresergebnis von knapp 6 Mill. Tonnen. Ihr gehören mit der Huta Katowice (Kattowitz) und der Huta Senrzmira (Krakau) die beiden größten Stahlwerke Polens sowie die Huta Cedler und die Huta Florian an.

Nach Angaben von Schatzminister Piotr Czyzewski beträgt der Kaufpreis rund 6 Mrd. Zloty (1,29 Mrd. Euro). Ein Teil der Schulden der polnischen Holding, die insgesamt mehr als 5 Mrd. Zloty ausmachen, werden in Aktienkapital umgewandelt, das der Käufer übernimmt. Die LNM hat sich außerdem zu einer weiteren Kapitalerhöhung verpflichtet. Der polnische Fiskus wird in Absprache mit der Brüsseler Kommission ein letztes Mal 2,4 Mrd. Zloty zuschießen, um den Schuldenberg der Holding wenigstens teilweise zu reduzieren.

Die polnische Regierung hat ihre Entscheidung getroffen, obwohl die Verhandlungen zwischen der LNM und den Gewerkschaften über deren Forderungen ergebnislos geblieben waren. Die LNM wies die Forderungen zurück, weil sie deren Kosten in Höhe von 500 Mill. Zloty als zu hoch ansah.

Postwendend nach dem Regierungsbeschluss erfolgte der lautstarke Protest der Gewerkschaften. Selbst im Kabinett von Miller waren einige Minister, die allerdings in der Minderheit blieben, mit der Entscheidung nicht einverstanden.

Experten in Warschau meinen, angesichts des katastrophalen finanziellen Zustandes der Holding habe die Regierung keine andere Wahl gehabt. Eine Absage an den einzigen verbliebenen potenziellen Investor hätte einen baldigen Konkurs nach sich gezogen.

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