Zäher Guerilla-Krieg in Afghanistan erwartet
BND-Terrorexperte warnt vor "Cyber-War" bin Ladens

Das Taliban-Regime und das Terrornetzwerk El Kaida haben sich nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes (BND) bereits länger auf einen zähen Guerillakrieg im Süden Afghanistans vorbereitet. "Dieser Kampf ist noch lange nicht vorbei", sagte der BND-Terrorexperte, Dieter Kaundinya, am Mittwoch auf der Herbsttagung des Bundeskriminalamts in Wiesbaden.

ap WIESBADEN. Aus seiner Sicht könnten die nächsten Anschläge der Terroristen um den Islamistenführer Osama bin Laden den "Cyber-War" eröffnen, also die massive Störung sensibler Informationsnetzwerke im Westen.

Nach dem Sturz der Taliban-Regierung in Afghanistan blieben Bin Laden nur begrenzte Fluchtmöglichkeiten ins Ausland, sagte Kaundinya. Als Beispiel nannte er den Inselstaat der Phillippinen, in dem moslemische Extremistengruppen wie die Abu Sayyaf operieren. Trotz der militärischen Schwächung bleibe das Terrornetzwerk El Kaida weiter gefährlich, sagte er. "Schnelle Erfolge sind nicht wahrscheinlich."

Der Abteilungsleiter im Bundesamt für Verfassungschutz, Horst Stachelscheid, warnte vor Anschlägen militanter Islamisten auch in Deutschland. Zwar konzentrierten die meisten der rund 30.000 hier lebenden Extremisten ihre Energie nicht auf Deutschland, sondern auf ihr Herkunftsland - nach dem Motto "In den Teller, aus dem man isst, spuckt man nicht". Doch gehöre Deutschland bereits seit Mitte der 90er Jahre etwa für militante Mujahedin-Gruppen zu potenziellen Terrorzielen. Der Hauptgegener Bin Ladens blieben jedoch die USA, die er "möglichst im eigenen Land treffen" wolle.

Stachelscheid betonte, der islamistische Terror könne auf lange Sicht "mit rein repressiven Mitteln nur zurückgedrängt, nicht aber besiegt werden". Das Problem sei nicht nicht in erster Linie eine Herausforderung für die Sicherheitsbehörden, sondern für Politik und Gesellschaft insgesamt. "Als Gegenstrategie müssten nun gezielt die friedensstiftenden und friedensfähigen Elemente des Islam aktiviert werden", schlug er vor. Er räumte ein, dass der Verfassungschutz dem Phänomen des Islamismus in der Vergangeneheit mit relativ wenig Argwohn begegnet sei. "Darin war er ein Spiegelbild der Gesellschaft insgesamt. Wir haben bestimmte Dinge einfach nicht für möglich gehalten."

Beide Experten betonten, wie wichtig der Informationsaustausch zwischen ihren Nachrichtendiensten ist und bekräftigten ihre Bereitschaft zur verstärkter Zusammenarbeit.

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